Die Berlin-Verhandlungen gehen in ihre entscheidende Phase. Die Botschafter der Vier Mächte scheinen in ihren Gesprächen jetzt so weit fortgeschritten zu sein, daß sie Bilanz ziehen können. Wie die Verhandlungen jetzt weitergeführt werden – etwa in einer viertägigen Schlußkonferenz, wie in einigen Berichten vermutet wird – und ob sie dann tatsächlich schon mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen werden können – all das bleibt vorläufig Spekulation. Denn noch sind einige wichtige Streitpunkte ungeklärt, noch sind Krisen nicht ausgeschlossen. Sicher scheint nur so viel: Die Entscheidung bahnt sich an.

Um so gespenstischer mutet jene Enthüllungskampagne an, mit der die Illustrierte Quick, unterstützt von gesinnungsfesten Gegnern der Ostpolitik, zu beweisen versuchte, Bonn wolle „Berlin verkaufen“.

Der Informationswert der Quick-Mitteilungen steht in erstaunlichem Mißverhältnis zu der Aufregung, die darüber entstanden ist. Die Positionspapiere für die Berlin-Verhandlungen sind in ihren wichtigsten Zügen längst bekannt und überholt, auch ihr wörtlicher Abdruck rechtfertigt nicht das Urteil, Brandt tanze nach der Pfeife Moskaus. Daß Bahr in Washington auch die Frage eines sowjetischen Generalkonsulats erörtert hat, ist ebenfalls kein Beweis für Bonner Nachgiebigkeit, es zeigt nur, daß Bahr, wie es seine Pflicht ist, bei den Diskussionen alle Varianten durchdekliniert hat.

Dies ist Politik als Enthüllungsgeschichte, bei der jedes Mittel recht ist, der Geheimnisverrat und eine Aufbereitung der Information, die der Irreführung gleichkommt. Daß diese Enthüllungsgeschichte patriotisch drapiert wird, macht sie nicht erquicklicher.

Jetzt haben die Botschafter der Vier Mächte das Wort. Und erst, wenn sie ihre Verhandlungen beendet haben, wenn deren Ergebnis vorliegt, läßt sich zuverlässig beurteilen, was die Ostpolitik und die Vier-Mächte-Verhandlungen für Berlin eingebracht haben. R. Z.