In der ZEIT Nummer 30 vom 23. Juli veröffentlichten wir einen Aufsatz von Bundeswissenschaftsminister Hans Leussink über die „Schwierigkeiten beim Planen der Bildung“. Seine Ansichten erregten Widerspruch beim bayerischen Kultusminister Hans Maier. Um unseren Lesern eine Vorstellung von dem bildungspolitischen Meinungsspektrum innerhalb der Kultusministerrunde zu vermitteln, baten wir deshalb nicht nur Hans Maier um eine Stellungnahme zu Minister Leussinks Artikel, sondern auch Bernhard Vogel, den Kultusminister von Rheinland-Pfalz und Sprecher der CDU-Länder in der Bildungsplanungskommission, sowie Peter von Oertzen, den Kultusminister von Niedersachsen als Vertreter der SPD-Länder.

Minister Leussink hatte in seinem Artikel geschrieben, gar nicht die Ziele, sondern nur die Mittel der Bildungsreform seien umstritten. Dabei hatte er vier Problemkreise genannt, aus denen sich Planungsschwierigkeiten ergeben haben: aus der föderalistischen Struktur der Bundesrepublik, aus der „Langfristanlage“ der Planung, aus dem Mangel einer zuverlässigen Informationsbasis und aus dem hohen Abhängigkeitsgrad der Bildungsplanung von anderen staatlichen Bereichen.

Die Frage, die die ZEIT an die drei Kultusminister stellte – „Würden Sie, wenn Sie könnten, in der Bildungsplanung einen anderen Weg einschlagen als den von Minister Leussink vorgezeichneten?“ – sollte vor allem eruieren, wo sich denn nun die Geister scheiden. Immerhin hatte kürzlich der Eklat in der Bildungsplanungskommission darauf schließen lassen, daß es sich bei der Bildungspolitik der CDU um einen grundsätzlich anderen Weg als bei dem der SPD handele.

Aber von prinzipiellen Gegensätzen ist in den Antworten der Minister nicht allzuviel zu spüren. Vielmehr vermitteln sie eher den Eindruck eines Kollegen-Klubs, in dem es wohl Meinungsverschiedenheiten gibt, die aber unter dem finanziellen und politischen Druck von außen auf ein Minimum heruntergespielt werden.

Es wäre ja wirklich interessant gewesen, zu erfahren, was denn nun das bildungspolitische Konzept der CDU ist, welche Ziele sie bei der auch von ihr akzeptierten Reform im Auge hat. Am ehesten geht noch Hans Maier darauf ein, wenn er andeutet, Bildung sei „Freiheitserwerb durch Lernen“, ihr Ziel der „in seine Freiheit hineinzubildende Mensch“. Aber was um Himmels willen hat man sich darunter vorzustellen? Bernhard Vogel meint, die Ziele müßten frei von ideologischen Fixierungen sein – aber was sind denn nun die Ziele? Und sind CDU-Ziele etwa ideologiefrei?

Vorhandene politische Gegensätze aus Opportunitätsgründen in Watte zu verpacken, gehört zum Geschäft der Kultusminister. Aber es lohnt sich, sie dennoch nicht zu vergessen. Die SPD/FDP-Regierung war einmal mit dem Anspruch angetreten, das heutige Bildungssystem in seinen alten, aus dem vorigen Jahrhundert stammenden Strukturen zu verändern und den beinahe ebenso alten Vorsatz zu verwirklichen, für jeden von Anfang an gleiche Bildungschancen zu schaffen. Für sie spiegelt sich beispielsweise in der Dreigliedrigkeit des noch gültigen Schulsystems auch immer noch das Drei-Klassen-System vergangener Zeiten.

Für die CDU dagegen ist eine grundstürzende Strukturveränderung eine „utopische, weder finanziell noch personell erreichbare Zukunftsvision“ (Vogel). Ihr genügt das Bestehende, sofern es dort, wo es nottut, gründlich renoviert wird.