Unter den frisch an die Universität Bremen berufenen Hochschullehrern ist, kurz bevor ihm feierlich die Urkunde zum "Beamten auf Lebenszeit" überreicht werden sollte, ein Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) entdeckt worden. Es ist der 35 Jahre alte Soziologe Horst Holzer, der zur Zeit. in München als wissenschaftlicher Rat und Professor lehrt und dort "Beamter auf Probe" ist. Der Bremer Senat paßte in letztter Minute. Er wollte einen Kommunisten nicht zum Professor ernennen. Ein Skandal?

Doch der neueste Bremer Fall will nicht so recht eskalieren, denn zur Enttäuschung ihrer politischen Gegner schweigen die Universitätsgründer, die sonst so schnell auf die Barrikade zu scheuchen sind. Sie sind zwar überzeugt, daß Bildungssenator Moritz Thape seine Entscheidung im Falle Holzer rechtlich ungeschützt getroffen hat, aber die Erfahrung des letzten Jahres hat sie gelehrt, daß mit Entrüstung allein keine Schlachten zu gewinnen sind. Die Richter sollen nun entscheiden.

Bleibt es dennoch ein Skandal, daß die Karriere eines Mannes gestoppt wird, nur weil er einer Partei angehört, die vielen nicht geheuer sein mag, die aber nicht verboten ist?

Holzer hatte sich in Bremen auf einen Lehrstuhl im Fachbereich Kommunikation/Ästhetik beworben und war berufen worden, weil er nach Meinung der Bremer der einzige qualifizierte Wissenschaftler in der Bundesrepublik ist, der für den Bereich der Medienforschung in der Bundesrepublik versucht hat, wissenschaftliche Grundlagen zu schaffen. Holzer kommt aus der Frankfurter Schule, hat. in einem Meinungsforschungsinstitut gearbeitet und erwarb im März 1970 die venia legendi. Ein Jahr später berief ihn die Universität München. Bremen wäre ein weiterer Schritt in seiner Laufbahn gewesen, da er dort zum Ordinarius ernannt werden sollte.

Daß er Mitglied der DKP ist, war in München unbekannt. In einem Gutachten bestätigte ein linksradikaler Tendenzen so unverdächtiger Mann wie der bayerische Kultusminister Maier, daß ihm "von einer verfassungsfeindlichen Tätigkeit des Herrn Holzer nichts bekannt ist". Damit entfällt auch dieser Vorwurf. Ist Holzer also Unrecht geschehen?

Es ist durchaus die Frage, ob Mitglieder einer Partei, die allein aus pragmatischen Gründen zugelassen wurde und nicht etwa, weil man von ihrer Grundgesetztreue überzeugt gewesen wäre, freiwillig in ein Beamtenverhältnis übernommen werden sollen. Andererseits ist die Mitgliedschaft in der DKP nicht mehr als ein Formalindiz. Würde es denn der Pluralität der an den Universitäten vertretenen wissenschaftlichlichen Schulen, schaden, wenn es mehr qualifizierte marxistische Hochschullehrer gäbe als bisher? Denn daß ihr Potential immer noch verschwindend gering ist, ist trotz aller Kadergruppen, deren Sache schließlich nicht die Wissenschaft ist, schlecht zu leugnen.

Das Deprimierende am Fall Holzer ist, daß sich alle. diese Fragen für die Bremer gar nicht stellen. Bildungssenator Thape zog sich mit dem Hinweis auf die Personalhoheit des Landes aus der Affäre und zitierte einen Paragraphen des Beamtengesetzes, wonach ein Anwärter abgelehnt werden kann, der "nicht die Gewähr dafür bietet, daß er jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt".

Die Wahrheit ist, daß der jüngste Fall nur im politischen Zusammenhang der krisenreichen Bremer Gründungsgeschichte gesehen werden kann. In München ist ein DKP-Mitglied im Lehrkörper zu ertragen, in Bremen ist er es nicht mehr. Am 20. Oktober sind Wahlen. Rektor von der Vring und seine Mannschaft werden keinesfalls das tun, was sich alle ihre Gegner wünschen: um einen Kommunisten kämpfen. Nina Grunenberg