Ganz zuerst: Es ist ein Buch für die Augen, ein prachtvolles Buch mit beinahe tausend bildlichen Darstellungen, mit Grundrissen, Aufrissen, Querschnitten, mit korrekt gezeichneten oder salopp skizzierten, schwarzweiß und farbig photographierten Ansichten und Perspektiven, mit Dokumenten aus der bildenden Kunst.

Sein kleines Thema heißt: „Das Haus – Vom Pfahlbau bis zur Wohnmaschine“; noch niemals vorher hat jemand versucht, es dermaßen als ein großes – ein ebenso umfangreiches wie bedeutendes – Thema zu begreifen, zu erzählen und, ganz wörtlich: vor Augen zu führen.

„Das Haus“, herausgegeben von Ettore Camesasca, in Italien gemacht und jetzt im Bertelsmann Kunstverlag in Gütersloh auf deutsch (Übersetzung: Romanus Knust) erschienen (432 S., 966 teils farbige Abb., 98,– DM), ist eines dieser Bücher, die man nicht „ausliest“. Es enthält die Geschichte des Wohnhauses, im engeren Sinne des Einzelhauses, im letzten Abschnitt auch eine Geschichte des Wohnens, besser der Einrichtung samt Bad und Besteck. Sie wird in einer unaufdringlichen, konkreten, bildhaften, jedermann verständlichen Sprache beschrieben und ist bezogen auf historische wie geographische, auf kulturhistorische, politische und soziale Zustände und Ereignisse, auch auf wirtschaftliche: zum Beispiel erfährt man dann und wann auch etwas über Miet-, Boden- und Baupreise alter Zeiten und möglichst auf die Gegenwart transponiert.

In der Tat gibt es über das Thema Haus kein anderes Buch, das soviel Informationen bietet, wenngleich manche ein bißchen zufällig wirken. Aber das ist auch das Resultat der Teamarbeit, von insgesamt neunzehn Kunsthistorikern, Archäologen, Museumsdirektoren, Architekten und Denkmalspflegern aus acht Ländern. Daß ihre Sprache manchmal volkshochschulhafte Züge hat, ist kein Makel; der Mut, von einem Gegenstand sachkundig und trotzdem einfach, ja kurzweilig zu erzählen, wiegt weit mehr.

Manfred Sack