In diesen Tagen rüsteten sich die Direktoren des Grand-Prix-Sports für den Großen Automobilpreis von Deutschland. Es war der siebte Lauf zur Fahrer-Weltmeisterschaft 1971, der am 1. August auf dem Nürburgring stattfand. Sieger wurde Jackie Stewart auf Tyrell/Ford. Wer ein Formel-I-Rennen gewinnen will, braucht vor allem eins: viel Geld als Rückenstütze. Denn ohne Geld ist im Formel-I-Sport nichts mehr zu gewinnen. Alle Teamchefs, die ihre PS-Boliden mit den Drei-Liter-Ford-Cosworth-Motoren bestücken, müssen allein für dieses Triebwerk 90 000 Mark auf den Tisch legen. Das Chassis kostet noch einmal soviel. Ein neuer Grand-Prix-Wagen verschlingt also allein an Materialkosten 180 000 Mark, sofern er mit einem Ford-Motor ausgerüstet ist.

Die Matras, Ferraris und BRM, die einzigen Rennfahrzeuge mit eigenen Aggregaten, sind noch viel teurer. Ihre PS-Maschinen werden, im Gegensatz zu den in kleiner Serie hergestellten Ford-Motoren, einzeln angefertigt. Diese Grand-Prix-Wagen kosten 500 000 bis 800 000 Mark. Nach jedem Rennen werden die 450-PS-Triebwerke für 10 000 Mark überholt. Jedes bewegliche Teil des Fahrgestells wird im Laufe der Saison – drei- bis fünfmal ausgewechselt. Diese Arbeit besorgen Mechaniker, Stars, deren Asse im Jahresdurchschnitt 50 000 Mark verdienen. Die meisten Rennställe beschäftigen acht bis zwölf solcher Spezialisten. Dazu kommen, je nach Größe des Teams, ein bis drei Renningenieure und der Rennleiter.

Ebenso viele Experten bringen die Reifenfirmen mit an die Boxen. Der Selbstkostenpreis für einen Rennpneu beträgt 2000 Mark. Das zweitägige Training eingeschlossen, verschleißt ein Rennfahrer pro Formel-I-Rennen für durchschnittlich 12 000 bis 15 000 Mark Reifen. Bei den Spitzenfahrern, wie Jackie Stewart, sind das jährlich 150 000 Mark. Der Chef eines Rennteams muß tiefer in die Tasche greifen. Die Flugkosten für die Grand-Prix-Rennen in Übersee belaufen sich je Wagen auf 8000 bis 12 000 Mark. Für die Veranstaltungen auf dem Kontinent besitzt jedes Team einige Renntransporter, die jeweils rund 100 000 Mark kosten.

Grand-Prix-Autos sind Testfahrzeuge für die Industrie. Für Einzelgänger mit normalem Einkommen ist heute im Grand-Prix-sport kein Platz mehr. Siegfried Kachel