Wie lange haben Sie an dem „Gruppenbild mit Dame“ gearbeitet?

HEINRICH BÖLL: Gearbeitet? Sehr lange. Geschrieben etwas mehr als ein Jahr.

Ist es also ein alter Plan gewesen?

Ja. Die Dame oder die Frau, die mir da vorschwebt, ist schon in früheren Romanen drin, andeutungsweise, nicht als Hauptfigur – aber die Idee oder der Wunsch, einmal die Geschichte einer fünfzigjährigen deutschen Frau zu schreiben, die habe ich schon sehr lange.

Was war, wenn er sich bezeichnen läßt, der Punkt, um den sich das ganze Gebilde kristallisiert hat?

Das war die Frau, die mir vorschwebte. Die Schwierigkeit war, den Einstieg zu finden. Das ist ja immer das Schwierigste beim Romanschreiben. Nicht der Anfang; der Anfang kommt manchmal erst nach Seite 50. Einsteigen in eine Sache und dann das Gefühl haben, du bist jetzt drin, und dann stellen sich die übrigen Personen ein. Ich wollte eigentlich immer schon (ich weiß nicht, ob mir das gelungen ist und ob es mir in diesem Fall gelungen ist) den Begriff des positiven und des negativen Helden in der Literatur auszulöschen versuchen, weil ich finde, daß der negative Held, zu dessen Image ich ja selber einiges beigetragen habe, auch schon eine etablierte Figur ist. Diese Leni Gruyten ist weder heldisch noch unheldisch, sie ist einfach da. Sie ist nicht angepaßt, auch nicht unangepaßt. Ich fürchte, daß man sie als die typisch Unangepaßte interpretieren wird, was mir gar nicht paßt.

Das fällt ja auf: diese wehmütige, aber auch heitere Verständnisfülle, mit der Sie Ihren Gestatten gegenüberstehen, selbst einem Erzopporturnisten wie diesem Pelzer.