Präsident Nixon hat sein Geschenk für die Chinareise schon jetzt ausgepackt – fraglich ist nur, ob es ihm auch die Dankbarkeit der Chinesen einbringen wird. Vor ein paar Jahren wäre die Zustimmung Washingtons zur Aufnahme der Volksrepublik China in die Vereinten Nationen für Peking noch eine willkommene Überraschung gewesen, heute ist das amerikanische Plazet ein Akt vor Toresschluß. Schon bei der letzten Vollversammlung stimmte die einfache Mehrheit der 127 UN-Mitglieder für die Aufnahme der Chinesischen Volksrepublik. Indem es den Beitritt zur „wichtigen Frage“ erklären ließ, die nur eine Zweidrittelmehrheit beantworten kann, konnte Washington die Aufnahme noch einmal verhindern. Aber es war bereits abzusehen, wann der Beitritt genehmigt und Washington gedemütigt werden würde.

Obwohl sie unter diesem Zeitdruck fiel, ist die Entscheidung Nixons zu würdigen. Sie bricht mit der zwanzig Jahre alten Gewohnheit, nein zu sagen, und ist eine konsequente Fortsetzung der neuen amerikanischen Chinapolitik. Washingtons Wende wird allerdings nicht überall gutgeheißen: Die konservativsten Nixon-Anhänger haben bereits ihr Mißfallen geäußert; die Beziehungen zu Taiwan werden noch stärker strapaziert, und zu alledem ist völlig unklar, wie Peking reagieren wird. Die Volksrepublik ist noch immer von ihrem Ziel entfernt, gleichzeitig mit der eigenen Aufnahme in die UN den Ausschluß Nationalchinas aus der Weltorganisation zu erreichen. Doch diesem Wunsch kann Washington keine Unterstützung gewähren – auch nicht als Gastgeschenk für eine historische Reise. D. B.