Der amerikanische Computer-Riese International Business Machines (IBM) ist in den letzten Wochen ins Gerede geraten. Der Halbjahresbericht des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden T. Vincent Learson ließ die IBM-Aktie an der Börse purzeln. Die Aussichten für das zweite Halbjahr werden skeptisch beurteilt.

An der Wallstreet wir man rasch mit dem versteckten Vorwurf des „Zweckpessimismus“ bei der Hand, der auch in Schweizer Zeitungen auftauchte. Ging es dem neuen „Chairman“ darum, die amerikanische Regierung zum Einlenken in den anhängigen Antitrust-Verfahren zu bewegen?

Noch etwas fiel Fachleuten der Computer-Branche auf, weshalb bei IBM „etwas im Busch“ sei. IBM hat am 1. Juli weltweit die Preise für periphere Geräte bei Jahresverträgen um acht und bei Zweijahresverträgen um 16 Prozent herabgesetzt. Das gilt rückwirkend auch für bereits installierte Anlagen. Gewiß will IBM damit die Hersteller der Peripherials, die wie Pilze aus der Erde hervorschießen, treffen und verhindern, daß an sie Kunden verlorengehen. Doch bringt der Preisnachlaß nach Meinung von Beobachtern zunächst Gewinneinbußen.

In der Bundesrepublik kam dazu der spektakuläre Verzicht auf den Bau des geplanten Halbleiterwerks in Hannover, nach Meinung mancher Beobachter auf einen Fingerzeig der US-Zentrale hin – Teil der „neuen Geschäftspolitik“.

Der Generaldirektor der IBM Deutschland, Walther A. Bösenberg, ist „betrübt“, daß die für die „Affäre Hannover“ ins Feld geführten technologischen Argumente nicht ankommen („Kein Mensch glaubt es uns“). Es wäre absurd, hier eine beabsichtigte „Fernwirkung“ zu konstruieren. „Das ist keine Dimension für die Wirtschaftspolitik der USA.“

Enschieden wendet sich Bösenberg gegen die Vorstellung vom „Zweckpessimismus“. Learson habe so lange eng mit Thomas J. Watson jr. zusammengearbeitet, daß in der Geschäftspolitik kein Bruch zu erwarten sei. Auch eine „Wachstumsfirma“ müsse sich einmal mit geringeren Zuwachsraten abfinden.