Duisburg

Ernst Caumanns, Oberstadtdirektor von Duisburg, kredenzt in seinem Dienstzimmer ein Glas Wasser, aus der städtischen Wasserleitung: „Das kann man trinken. Sogar unser Bier wird daraus gebraut.“ In Duisburg ist nicht selbstverständlich, daß das Trinkwasser von trinkbarer Qualität ist, In den Stadtteilen Hamborn und Marxlohe beispielsweise läuft nur eine übelriechende Brühe aus den Leitungen.

Die mindere Qualität des Wassers ist nur ein Beispiel für den Grad der Umweltverschmutzung in der Industriestadt am Niederrhein. Auf den „Schmutzkarten“ des Ruhrgebiets ist Duisburg ein besonders dunkler Fleck. Caumanns: „Die Umweltverschmutzung ist ein Kardinalproblem. Wenn wir sie nicht in den Griff bekommen, können unsere Städte dichtmachen.“

Der Exodus hat bereits begonnen: In den letzten zehn Jahren verlor Duisburg rund 45 000 Einwohner durch Abwanderung. „Es waren in erster Linie qualifizierte Arbeitnehmer“, sagt Caumanns. „Die Attraktivität einer Stadt wird von den Umweltbedingungen bestimmt.“

In Duisburg, erläutert der Verwaltungschef, müsse die Industrie höhere Löhne und Gehälter zahlen als in Städten mit größerem Freizeitwert – München, zum Beispiel. Bei Behörden und Verwaltungen, wo die Besoldung nach festgefügten Richtlinien erfolgt, bleiben viele Dienstsessel leer.

So können in Duisburg drei von den fünf Planstellen des höheren Dienstes bei der Berufsfeuerwehr nicht besetzt werden. Im Gesundheitsdienst fehlt ein Drittel der vorgesehenen Ärzte. Schuld an dem Dilemma, das die Revierstädte veröden läßt, trägt zum Großteil die Industrie. Ungeniert produziert sie den Schmutz, der die Luft verpestet und das Wasser verseucht. Bei der Stadtverwaltung in Duisburg werden seit geraumer Zeit die Zuschriften empörter Bürger registriert.

So beschwerte sich Kurt N. am 12. Mai 1971 über die Müllverbrennungen der August Thyssen-Hütte im Stadtteil Beeckerwerth, der als reines Wohngebiet gilt. Kurt N. meldete: „Am 11. Mai 1971 lag der Ortsteil in einer Qualmwolke. Die Bewohner litten unter Kopfschmerzen und Brechreiz. Die Flugasche fiel wie Schnee vom Himmel.“