• Die Pariser Vietnam-Friedensgespräche treten offenbar auf der Stelle. Bei der 123. Sitzung – der letzten, die US-Botschafter Bruce leitete – erneuerten die Vereinigten Staaten ihren Vorschlag zur sofortigen Feuereinstellung unter internationaler Kontrolle. Die nordvietnamesische Delegation antwortete knapp: „Absurd.“ Sie wirft Washington vor, die Verhandlungen zu verzögern, um das Ergebnis der Oktoberwahlen in Südvietnam und des Peking-Besuches von Präsident Nixon abzuwarten. Auf ihr neues Angebot – Namenslisten der amerikanischen Gefangenen gegen Festsetzung eines Rückzugstermins – wollte Washington wiederum nicht eingehen; ebensowenig auf die Andeutung Hanois, der Siebenpunkteplan müsse nicht als „Paket“ behandelt werden.

Der amerikanische Geheimdienst CIA gestand vor einem Senatskomitee ein, 30 000 Mann laotischer Truppen zu unterstützen, die im ganzen Lande kämpfen. Im Rechnungsjahr 1970 gab er dafür 70 Millionen Dollar aus.

Im Gegensatz zu früheren Verlautbarungen lehnte Peking eine neue Indochina-Konferenz ab. Das Parteiorgan Renmin Ribao forderte einen bedingungslosen amerikanischen Abzug.

  • „Ernste Kriegsgefahr in Bengalen“ – so beurteilte die Londoner Times Ende vergangener Woche die Lage auf dem Subkontinent. „Meine Geduld hat Grenzen“ drohte Präsident Yahya Khan und verlangte von Indien, sofort die Beschießung ostpakistanischer Grenzgebiete und die Ausbildung ostbengalischer Guerillakämpfer einzustellen. Diese haben sich, mit indischer Unterstützung, auf Grund ihrer „Hit-and-Run“-Technik zu einer spürbaren Gefahr für die westpakistanischen Besatzer entwickelt. Sie dringen bis zu 80 Kilometer tief ein.

Indien schätzte Ende des Monats die Zahl der Flüchtlinge auf rund 7,4 Millionen. Wöchentlich kommen noch 300 000 Ostpakistani. Diese dritte Flüchtlingswelle umfaßt jetzt Hindus und Moslems; die erste Welle hatte überwiegend aus Anhängern der Awami-Liga bestanden; dann kamen hauptsächlich Hindus.

  • Auf Zypern wechselten zum erstenmal seit vier Jahren griechische und türkische Zyprioten wieder Schüsse. Die rund 3100 UN-Soldaten wurden nach vier Zwischenfällen in Alarmbereitschaft versetzt; sie rechnen mit etwa 20 000 Mann griechischer und türkischer Milizen beiderseits der „Grünen Linie“. Ankara heizte die Stimmung mit Drohungen gegen Athen und den zypriotischen Präsidenten Makarios auf.
  • In Nordirland explodieren jetzt pro Nacht zehn bis zwölf Sprengkörper der verbotenen Irischen Republikanischen Armee (IRA). Vor drei Monaten noch in grundsätzliche Richtungskämpfe verstrickt, haben sich die beiden Flügel, die „Provisorischen“ und „Offiziellen“ jetzt stillschweigend geeinigt. Reverend Ian Paisley, radikal-protestantischer Geistlicher, drückte am Montag aus, was offenbar viele Protestanten Ulsters über den Terror der IRA denken – er habe die „Nase voll“ und plädiere für Gegenaktionen. Er sei bereit, falls man ihn für den richtigen Mann halte, Ministerpräsident Faulkner zu ersetzen, der in den letzten Wochen wieder stärker dem Druck aus den Reihen seiner eigenen Partei ausgesetzt ist.