Am Rentenmarkt ist die Durststrecke noch nicht beendet. Auf alle Fälle soll ein Übergang vom 8- zum 8 1/2prozentigen Typ vermieden werden, obgleich in Wirklichkeit der Marktzins bereits bei 8,5 Prozent und darüber liegt. Die Einführung des „Achteinhalbprozenters“ hätte natürlich eine Signalwirkung: Der Rentenanleger, der in den letzten Monaten im Vertrauen auf eine langsame Zinssenkung festverzinsliche Papiere kaufte, würde unruhig werden.

Die achtprozentige Hessen-Anleihe läßt sich nur schleppend absetzen. Daher hat man auf weitere öffentliche Anleihen zunächst verzichtet und nur eine Anleihe über 75 Millionen Mark de: Schleswig-Holsteinische Stromversorgungs AG und eine Anleihe über 90 Millionen Mark der Industriekreditbank zugelassen. Die beiden ebenfalls genehmigten Auslandsanleihen über je 100 Millionen Mark berühren den deutschen Kapitalmarkt kaum.

Mit der Politik der Austrocknung soll der Anschluß an die Periode der Zinssenkungen gefunden werden, mit deren Beginn Optimisten bereits im Herbst rechnen. Ob die Austrocknung Erfolg haben wird, hängt letzten Endes davon ab, inwieweit die öffentlichen Stellen darauf Verzichten. über die Hintertüren des Kapitalmarktes, über Schuldscheindarlehen und Kommunalobligationen, zu Geld zu kommen.

Und schließlich sind auch die Sparkassen auf Kapitalsuche. Nach Stuttgart, Köln und Berlin hat nunmehr auch die Stadtsparkasse Frankfurt eigene Obligationen mit einem Zins von 8 Prozent (Renditen 8,13 bis 8,15 Prozent) aufgelegt.

K. W.