Das Bundesparlament von Jugoslawien hat am Donnerstag vergangener Woche den Vielvölkerstaat neu geordnet. Jugoslawien ist nun ein Staatenbund, in dem nur die Außen- und Verteidigungspolitik und die Koordinierung der Wirtschaftspolitik zentral von Belgrad aus geleitet wird. Regierung und das neu geschaffene Staatspräsidium setzen sich aus Vertretern der Teilrepubliken zusammen. Der Nationalitätenschlüssel sieht vor, daß aus den sechs Teilrepubliken je drei, aus den beiden autonomen Republiken je zwei Vertreter im Präsidium sitzen. Der 79jährige Tito wurde zum Vorsitzenden des Staatspräsidiums gewählt, ein Amt, das er nach Wunsch der Präsidiums-Mitglieder auf Lebenszeit ausüben soll. Nach seinem Tod wird der Vorsitz im jährlichen Turnus rotieren, so daß jeweils eine andere Teilrepublik den Präsidenten des Staatspräsidiums stellt. Mit der Einsetzung des kollektiven Führungsorgans hofft man in Jugoslawien, den Nationalismus der einzelnen Völker zum Abklingen zu bringen.

Vorläufig abgeschlossen wurde die Neuordnung mit der Wahl des bisherigen Parlamentspräsidenten von Bosnien/Herzegowina, Djemal Bijedic, zum neuen Regierungschef.