Unternehmungen der öffentlichen Hand sind erfahrungsgemäß anfälliger als andere für sachfremde Einflüsse, nicht zuletzt in der Personalpolitik. Beim Gerangel um Posten und Positionen kommt die Politik ins Spiel. Jüngstes Beispiel: die Flughafen Frankfurt/Main AG,

Es geht um die Zusammensetzung von Vorstand und Aufsichtsrat der Betriebsführung des größten deutschen Flughafens (1970 knapp zehn Millionen Passagiere). Seit dem 1. Juli ist die Gesellschaft ohne kaufmännisches Vorstandsmitglied, nachdem sich Kurt von Laun, dessen Vertrag um die Jahreswende nicht mehr verlängert worden war, von seinen Pflichten entbinden ließ.

Zum selben Zeitpunkt wurde Erich Becker, bis dahin im Vorstand für das Bauwesen zuständig, zum Vorsitzenden des Vorstandes ernannt. Becker gilt als Protegé des „starken Mannes“ in der Landesregierung, Hessens Finanzminister und Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen AG „Dynamit“-Rudi Arndt (SPD).

An der Wahl Beckers entzündete sich ein Koalitionskonflikt in der hessischen Landesregierung. Denn Heinz-Herbert Karry (FDP), Wirtschaftsminister des Landes und Aufsichtsratsmitglied der Flughafen AG, stimmte gegen Arndts Mann. Sein Argument: An die Spitze des Vorstandes gehöre ein Finanzfachmann.

In der Tat: Während die technischen Planungen des Flughafens weitgehend abgeschlossen sind, zeichnet sich bereits jetzt eine Finanzklemme der Betriebsführung ab. Schon im letzten Jahr konnte nur durch Aktivierung von Zinsen in Höhe von 13,4 Millionen Mark ein ausgeglichenes Ergebnis vorgelegt werden. Und von diesem Jahr an ist mit beträchtlichen Verlusten zu rechnen. Die Ausbaupläne können nur durch Darlehen der Aktionäre (Land Hessen 45 Prozent, Stadt Frankfurt 29 Prozent und die Bundesrepublik 26 Prozent) bewältigt werden, also aus Steuergeldern.

Der Frankfurter Flughafenvorstand besteht aus lauter Technikern. Doch Europas drittgrößter Terminal hat noch nicht einmal einen Luftverkehrsfachmann in der Geschäftsführung. FDP-Minister Karry hätte in dieser Lage lieber auf die Ernennung eines kaufmännischen Vorstandsmitgliedes gewartet, die ohnehin im Herbst ansteht, bevor ein Vorstandssprecher ernannt würde. Denn ob ein qualifizierter Fachmann gefunden werden kann, der unter dem robusten Becker zu arbeiten bereit ist, scheint – so fürchtet Karry – fraglich, zumal Becker auch noch die Rückendeckung durch den ebenfalls nicht zimperlichen Taktiker Arndt besitzt. Ganz offensichtlich ist die Ansicht Karrys berechtigt, „das Gespann Arndt/Becker“ sei „einfach zu stark“.

Karry sah daher im Aufsichtsrat der Flughafen AG kaum eine Möglichkeit mehr, seine Auffassungen durchzusetzen, die im wesentlichen auf die Erstellung eines neuen mittelfristigen Finanzprogramms hinausliefen. Der Freidemokrat gab sein soeben erst erhaltenes Aufsichtsratsmandat zurück und plädierte für einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden: Ministerpräsident Albert Osswald.