„Dialoge“, Roman von Maud Sacquard de Belleroche. Was für Geschäfte man mit dem Verbotenen machen kann, zeigt dieses Werk, das man nur gegen einen Verpflichtungsschein erhält, auf dem man versichert, über einundzwanzig Jahre alt zu sein und keinen Anstoß an dem zu nehmen, auf das man gefaßt sei. So etwas spannt die Erwartung, die im Klappentext und im Vorwort noch durch Vokabeln wie „erotisch“, „Kurtisanengespräche“, „Frauen belauscht...“, „Sex“, „Herzoginnen“, „mondän und amourös“ und „vorurteilslose Intellektuelle“ angeheizt wird. Und dann liest man sich durch ein fades affektiertes Tantengeschwätz, bekommt Weisheiten über Männer, Erotik und Ehe serviert, die schon zur Zeit unserer Großväter muffig waren, und die Welt glänzt voller Salons und Schloßterrassen, in und auf denen sich Damen „Liebste“ nennen und Phrasen von der „Brust eines schönen Mannes“, den „letzten Himmelsgeschenken der Liebe“ und dem „unwiderstehlichen Zauber einer hübschen Frau“ vor sich hindreschen. Es gibt, glaube ich, zwei oder drei wirkliche Stellen, aber meistens ist es schon ein Zeichen äußerster Emanzipation, wenn die Damen Whisky trinken statt Tee. Hier werden Leser betrogen, und wenn auch Prüde sagen werden, das geschieht solchen Lesern recht, so wäre es besser, wenn es kein Verbot der Pornographie gäbe, das eine Quasi-Sexliteratur dieser Art möglich macht. (Aus dem Französischen von Simon Saint-Honoré; Verlag Kurt Desch, München; 221 S., 20,– DM) Sybil Gräfin Schönfeldt