Neu in Museen und Galerien:

Düsseldorf Bis zum 22. August, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen: „Gerhard Richter“

Als, Ende des vorigen Jahrhunderts, Franz von Lenbach seine berühmten Porträts berühmter Leute nach Photographien machte, da gab er dem Photographen, der für ihn arbeitete, zwar genaue Arbeitsanweisungen, aber wissen sollte und wollte eigentlich niemand was von diesem Kuhhandel zwischen Kunst und Photographie. Als, in den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts, Gerhard Richter anfing, Photos „abzumalen“, da nahm er mit dem fürlieb, was ihm der Zufall so in Prospekten, Zeitungen und Familienalben vors Auge brachte, und da war von allem Anfang an klar, daß das Photo nicht Hilfsmittel der Malerei war, sondern ihr Gegenstand und ihre Legitimation zugleich. Was diese meist in diffusen Grau- und Weißtönen gehaltenen Bilder scheinbar zu besonders getreuen Photo-Bildern machte: daß sie oft verwackelt erschienen (ein Effekt, der durch die Verwischung von Hell-Dunkel-Übergängen erzeugt wurde). In dieser Differenz zwischen dem miesen, exakten kleinen Photo und dem makellos verschwimmenden, großformatigen Kunstwerk lag die Wirklichkeit, der Richter auf der Spur war. Ab 1966 kamen dann auf einmal Farben mit ins Spiel, Bild-„Geschichten“. Bewegungsabläufe entstanden (zum Beispiel in der „Tür“, die in fünf verschiedenen Stadien der Öffnung gezeigt wurde; oder im dreiteiligen ‚,Wolke“-Bild). Dann wurde der Guckkasten-Blick auf einmal mit der Vogelperspektive vertauscht, Richter malte Stadtansichten und Alpenlandschaften und begann, die Technik der exakten Reproduktion zu vertauschen mit der guten alten Künstler-Gebärde, verteilte Farben in pastoser Generosität, arbeitete mit kompakten Mitteln. Und schließlich arbeitete er nach eigenen Photos, die er, das ist der vorläufig letzte Stand der Dinge, wie gehabt, als Ganzes reproduziert oder aber in ausgewählten Details so vergrößert, daß sie in den Dimensionen des Abstrakten zerfließen. Er erreicht in diesen letzten Bildern („Landschaft bei Hubbelrath“ oder „Gr. Eifellandschaft“) atmosphärische Effekte, die an Caspar David Friedrich erinnern und einen Grad makelloser Schönheit, den man in der zeitgenössischen Kunst zu sehen nicht gewohnt ist. Sein ganzes Dilemma, unser ganzes Dilemma im Umgang mit der Wirklichkeit wird aber deutlich in seiner „Teydelandschaft“, beziehungsweise den beiden Versionen, die es von dem einen Motiv gibt: die eine pastos gemalt, die andere flächig – die Wirklichkeit ist ein Angebot von Möglichkeiten.

Petra Kipphoff

Wichtige Ausstellungen:

Berlin Bis zum 13. September, Nationalgalerie: „Jim Dine“

Nach der Premiere in Düsseldorf jetzt auf Reisen: die erste Retrospektive des Poeten der amerikanischen Pop Art.