Die „Kunstzone“, die sich vom 7. bis 12. September 71 auf dem St-Jakobs-Platz in München etablieren wird, verspricht Revolutionäres. Sie ist, erstens, die erste unter den vielen Kunstmessen, die den Galeristen, das heißt den Händlern, das Heft aus der Hand nimmt: der genossenschaftliche Kunstvertrieb „zehn neun“ (dem Ackermann, Fongi, Neuenhausen, Sorge und andere angehören) hat die Idee geboren und die Initiative ergriffen. In der Münchner „Kunstzone“ werden sich die „Produzenten“, das heißt die Künstler selbst vertreten. Die Kunstzone verspricht, zweitens, ein neues ästhetisches Bild: 2000 Quadratmeter des Jakobsplatzes sollen – olympiainspiriert – mit Zeiten überdacht werden. Videoakustische Projekte (Straßentheater, Filmprojektionen, Kinderaktionen, Hearings usw.) werden die übliche Kunstausstellung komplettieren. Daraus ergibt sich, drittens, ein städtebaulicher Aspekt: Der St.-Jakobs-Platz wird künftig zur Fußgängerzone des Münchner Stadtzentrums gehören. Die neuen Medienformen der „Kunstzone“ werden schon dieses Jahr und später erst recht der Verödung der City entgegenwirken. Erläuterung auf dem „Kunstzonenplakat“: „Aktuelle Kunst kann sich bisher nur frei entfalten, wenn sie gesellschaftlich unwirksam bleibt. Der Name für diesen Freiraum: Kunstzone. Die Benennung dieses Zustandes ist der erste Schritt zu seiner Überwindung.“ 270 Künstler und Theatergruppen haben zugesagt.

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Olympia inspiriert. Wolf Vostell hat eine Olympia-Graphik geschaffen, die nicht der Schirmherrschaft von Willi Daume untersteht: Photographische Marginalien kommentieren die Olympia-Disziplinen (Schießen in Vietnam, Laufen im Paradeschritt usw.). Der großformatige Siebdruck: ist in 100 Exemplaren bei Kerlikowsky und Kneiding, München, Wilhelmstraße 21, erschienen. Preis bis 30. 8.: 280 Mark, später: 340 Mark. Fongi, Cafe-Künstler und Schuh-Plastiker, wird mit dem Nagelspezialisten Günter Uecker kooperieren. Uecker-Spikes durchbohren die zerknitterte Oberfläche eines Fongi-Läuferschuhs. Vermutlicher Preis des Objekts: 300 bis 500 Mark.

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Manche nennen es „Mappen“ andere sagen vornehm „Portfolio“ oder „Collection“. Immer mehr Galerien beginnen Kunst in Paketen zu verkaufen: „11 Schweizer“, Vontobel 71, Collection in schwarzer Box. 100 Ex., Subskriptionspreis: 1270 Schweizer Franken bei Annemarie Verna, Zürich.

„Artists on the Bowery“, Portfolio mit 10 Serigraphien der New Yorker Bowery, 65×65 cm. 125 Ex., Subskriptionspreis: 2760 Mark bei Dornberger, Stuttgart.

„Europäische Graphik VII“ Mappe mit 9 Lithographien englischer Künstler, 35 Ex./Japan: 3250 Mark, 65 Ex./Bütten: 2800 Mark bei Ketterer, München. „Phantastische Graphik“, Kassette mit zehn Radierungen und Lithographien, 58×45 cm, 100 Ex., Subskriptionspreis: 2650 Mark beim Rembrandt-Verlag, Berlin.