Die Tage von Italiens Passagierschiffen auf dem Atlantik sind gezählt. Nach einem Verlust von 100 Milliarden Lire (600 Millionen Mark) im vergangenen Jahr soll die staatliche römische Passagierschiffahrt jetzt mit Volldampf reorganisiert werden. Die Finmare, Schiffahrts-Tochtergesellschaft des staatlichen IRI-Konzerns, legte der Regierung ein rigoroses Konzept vor: Sofortige Stillegung der größten Verlustbringer, darunter der Transatlantik-Riesen Michelangelo, Raffaelo und Cristoforo Colombo.

Die Michelangelo als Flaggschiff der italienischen Flotte versieht zusammen mit der Raffaelo den Nordatlantik-Dienst. Seinerzeit kosteten beide Schiffe zusammen 90 Milliarden Lire (540 Millionen Mark). Die Aushängeschilder Italiens auf den Weltmeeren fahren jedoch seit Jahren nur Verluste ein. Jede Minute verliert die Finmare – so errechneten Fachleute – an einem dieser Riesen 30 000 Lire. Die Kapazitäten werden nur zu 50 Prozent genutzt.

Das interministerielle Planungskomitee der römischen Regierung folgte dem Sanierungsplan der Finmare, aber mit. einer wichtigen Änderung: Die unrentablen Schiffe sollen nicht sofort, sondern jeweils Zug um Zug stillgelegt werden-^ sobald die als Ersatz vorgesehenen Neubauten fertig sind.

In fünf Jahren wird Italien demnach eine staatliche Übersee-Linie nach der anderen – insgesamt 48 alte Passagierschiffe – einstellen. Dagegen sollen 28 Neubauten und vier zugekaufte, aber gebrauchte Schiffe (zusammen 360 000 Bruttoregistertonnen) neu eingesetzt werden – jedoch nicht in der Passagierschiffahrt.

Die Staatsflotte will sich künftig auf. die Frachtfahrt spezialisieren. So sollen unter anderem fünf Containerschiffe angeschafft werden. Fahrtziele: Australien, Fernost und Nordamerika. Daß die Staatsflotte auch ins Öl-Frachtgeschäft einsteigen will, hat Italiens Privatreeder auf den Plan gebracht. Unter dem Eindruck der neuen Konkurrenz wollen sich die drei bisher stets verfeindeten Reederverbände sogar zusammenschließen.

Die Staatswirtschaft macht geltend, daß nur 25 Prozent der in italienischen Häfen umgeschlagenen Waren von Schiffen mit nationaler Flagge befördert werden. Durch ihre Initiative will sie zum Abbau des Devisendefizits im See-Dienstleistungsverkehr (1970: 120 Milliarden Lire, das sind über 700 Millionen Mark) beitragen.

Italienische Reeder dürfen nur in italienischen Werften bauen lassen. Da jedoch heute 80 Prozent der italienischen Werftkapazitäten ohnehin im Besitz der Staatsholding IRI sind, bleiben die Aufträge im eigenen Haus.