Von Helmut Schneider

Horst Antes, so sagte Klaus Gallwitz, der Leiter der Baden-Badener Kunsthalle – Jugendfreund, Promoter, Sammler und Aussteller des Künstlers –, habe sich gefragt, ob der Zeitpunkt für einen Rückblick auf seine malerischen Exkursionen der Jahre 1967 bis 1971 richtig gewählt sei; er wolle nicht wieder einmal kritische „Prügel“ beziehen.

Der Wunsch, die Bilderproduktion dieser Zeitspanne im Überblick vorzuzeigen, war offensichtlich stärker als alle Zweifel; der Mut des Wildes, sich den Jägern zu stellen, wuchs ins Heroische – zustande gekommen ist eine Wanderausstellung mit über hundert Gemälden von Leihgebern aus fünf Ländern, die nach Baden-Baden (dort ist sie bis zum 26. September zu sehen) noch in Bern, Bremen und Frankfurt gezeigt werden wird.

Auf dem Hintergrund der unterschiedlichen Reaktion des Publikums, das Hymniker wie Verächter in seinen Reihen zählt, wird Antes’ selbstkritische Reflexion durchaus verständlich. Seine Malerei, unablässig um ein Thema kreisend, ist seit langem rubriziert und je nach Einstellung des Betrachters als gesicherter Besitz vereinnahmt oder gerichtet: Das in seinen Bildern stets wiederkehrende Kürzel einer menschlichen Figur, das „Antes-Männchen“, ist zum Erkennungszeichen dieses Malers geworden – für die einen ist es das Kainsmal des Immergleichen, für die anderen das Statussymbol des Erfolgs.

Das Immergleiche und der Erfolg, dies wird gelegentlich übersehen, stehen dabei in erkennbarer Wechselbeziehung zueinander. Antes ist zum unverkennbar verpackten Markenartikel geworden. Sein künstlerisches Image ist in der Erinnerung jederzeit abrufbar. Die Bereitschaft des Betrachters, auf bestimmte Signale einprogrammierte Antworten zu geben (man könnte das den Pawlowschen Reflex bei der Kunstrezeption nennen), ist ausschlaggebend für den Erfolg oder die Ablehnung.

Bei dem Versuch, die ausgestellten Arbeiten unvoreingenommen zu sehen – derlei gehört zum frommen Selbstbetrug eines Kritikers –, kommt man um die Feststellung nicht herum, daß einem die neueste Produktion eines Altmeisters vorgeführt wird. Das ist wertend, nicht abwertend, gemeint: Antes’ handwerkliche Sicherheit steht außer Frage, das Kolorit ist überlegt und immer wieder überraschend, der Bildaufbau klar und ohne Widersprüche.

Kunst mit großem K, modern genug für den Liebhaber gemäßigter Avantgarde, konservativ genug für den Sammler gesicherter Werte, dekorativ genug für die Wand im repräsentativen Chefbüro. Nur eines ist Antes’ Malerei nicht: aktuell, unmittelbar betreffend. Das muß nicht sein, der Künstler ist frei in seiner Entscheidung, ob er für die ungewisse Zukunft der Museen malt oder für die auch nicht viel sicherere Gegenwart des Kunstgeschehens. Aber fairerweise darf er dann auch nicht erwarten, ernster genommen zu werden, als einem Olympier zusteht.