Die drei Ringe des Kruppschen Firmenzeichens strahlen in frischem Glanz. Drei Jahre nach der Krise, die das Unternehmen bis in die Grundfesten erschütterte, konnte Vorstandsvorsitzender Günter Vogelsang zufrieden und selbstbewußt verkünden: „Die von uns für die Jahre 1968 bis 1970 konzipierte dreijährige Konsolidierungsphase ist planmäßig zu Ende gegangen.“

Doch Vogelsang, den der letzte der Krupp-Dynastie, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, kurz vor seinem Tode im Juli 1967 auf Anraten seines Bevollmächtigten Berthold Beitz von Mannesmann nach Essen geholt hatte, untertrieb. Innerhalb von drei Jahren führte Vogelsang das Eisen- und Stahlimperium vom Rande des Ruins in die Gewinnzone. Aus dem Verlust seines ersten Amtsjahres von 24,1 Millionen Mark wurde 1970 ein Jahresüberschuß von 110 Millionen Mark. Frühere Zahlen wollte Vogelsang nicht nennen. Einmal war er für sie nicht verantwortlich, zum anderen möchte er Vergangenes ruhen lassen.

Vogelsang genügt es, wenn er – früher als erwartet – nach der Wiederherstellung der Liquidität und der Beseitigung der Verlustquellen sein drittes Unternehmensziel anpeilen kann: die Verstärkung der Eigenkapitalbasis.

Damit strafte Krupps Topmanager, dessen Weg aus einem Wirtschaftsprüferbüro über die Hamburger Schlieker-Werft, zu Krupp und Mannesmann und wieder zurück zu Krupp führte, alle Pessimisten Lügen. Sie hatten prophezeit, daß die vom Familienbesitz in eine Kapitalgesellschaft umgewandelte Firma mindestens bis 1972 keine Steuern zahlen würde. Tatsächlich aber stiegen die Zahlungen an den Fiskus von 1968 bis 1970 von 59 auf 131 Millionen Mark.

Auch die Stiftung, die nach dem Tode Alfried Krupps die alleinige Inhaberin der Fried. Krupp GmbH (Grundkapital 500 Millionen Mark) ist, kann die Zukunft in einem rosigeren Licht sehen. Vogelsang überwies ihr 1970 zum erstenmal fünf Millionen Mark, nachdem sie sich die beiden vorhergehenden Jahre mit dem satzungsgemäß festgelegten Mindestbetrag von zwei Millionen zufriedengeben mußte. Für das laufende Jahr hat Vogelsang seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Beitz, der gleichzeitig der Verwalter der Krupp-Stiftung ist, wieder den gleichen Betrag in Aussicht gestellt.

Für Günter Vogelsang ist es dagegen wichtiger, dem Unternehmen wieder festen Boden unter den Füßen zu verschaffen. Dazu gehört vor allen Dingen mehr Eigenkapital. Bei einem Umsatz von 7,19 Milliarden Mark betrugen 1970 die Eigenmittel des Hauses gerade 732 Millionen Mark oder 13,3 Prozent der Bilanzsumme, eine Relation, die auch für die mit Eigenkapital nicht gerade verwöhnte deutsche Industrie ungewöhnlich niedrig ist.

So wird Vogelsang nicht müde, immer und immer wieder zu betonen, daß die Stärkung der Eigenkapitalsbasis das wichtigste Ziel sei. Es war schließlich nicht das erste Mal, daß das Haus Krupp in Schwierigkeiten geriet, es war die sechste Krise: