Innerhalb von vier Tagen hat die Pariser Haute Couture mit täglich fünf bis acht Kollektionen ihr Ziel erreicht, nämlich ein repräsentatives Comeback. Am Montag standen Saint-Laurent und Dior auf dem Programm unter dem Motto: „Adieu, Girl-Mode von der Straße.“ Jetzt heißt es „Bonjour, ma jolie Elegante“!

Am Freitagvormittag drängten sich die Einkäufer in den Salons von Dior wie in guten alten Zeiten, rissen sich die Modelle aus den Händen, probierten die „heißesten Nummern verwarfen sie, holten sie wieder zurück; entschieden sich endlich, zahlten ihre hohen Dollarschecks nicht nur hier, sondern auch dort, wo neben eleganter Haute Couture ein neuer Trend mit jungem Fluidum spürbar wurde. Man sagt, Frauen ab 25 aufwärts wollen sich wieder korrekt anziehen (vielleicht auch nur öfters umziehen), also mehr aus dem eigenen Typ machen mit Raffinesse, mit Nuancen und Details.

Das bedeutet zurück zum Maßtailleur. Dazu gehört wieder die Schleifenbluse, weit mehr gezeigt als das Pullioberteil. Paris bringt neue Jacken zu Hosen und Kleidern, eine Menge neuer Mantelformen, bemerkenswerte Ärmeldetails und eine Rocklänge. vom gut bedeckten Knie bis eine Handbreit oberhalb des Knies für die junge Haute Couture. „Das kleine Schwarze“, in keiner Weise bescheiden, kommt mit Taille und Frou-Frou als „sexy-after-six“ sehr siegesgewiß und mit Straß-Stern-Strahlen in den Salon, und das große Abendkleid sieht überzeugend neu und neoromantisch aus.

Es gibt wieder Farbe: Flaggenrot, Honig- und Dottergelb, Gauloise-Blau, Tannengrün, Pink und Roses, wieder Violett, Braun von Mokka bis zu Holztönen bleibt, und Kamelbraun kommt dazu. Ohne Schwarz und Weiß ist die Pariser Mode nicht denkbar. Schnell gesellt sich Grau dazu. Der Kopf ist klein. Frisuren verschwinden bei Tag unter Häkelkäppchen, Baskenmützen oder großen Baretten. Sie sind oft aus dem Stoff des Mantels. Üppige Pelzkragen oder breite, hochgestellte Reverskragen der Kostüme rahmen das Gesicht dekorativ ein. Ganz besonders bei Dior. Das Make-up ist präzise. Seine kunstvolle Ausführung will gesehen werden. Der Mund leuchtet frisch und rot. „Natural-Look“ ist vorbei.

Wollstoffe zeigen sich mit lebendigerer Oberfläche. Wolljacquards haben Strickcharakter, Streichtuche, Mohairs mit riesigen Schottenmustern, lebhaft gemusterte Tweeds und neue Doublefacewolle führen wieder. Matte Seidencrêpes mit brillanten Satins werden zusammen verarbeitet, und die Abendmode lebt von Samt, reinseidenem Chiffon und den herrlichen federleichten Seidentaften, die mindestens zehn Jahre vergessen waren.

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Die Kollektion von Marc Bohan bei Dior ist aus einem Guß. Ein Musterbeispiel für Haute Couture von heute. Sie beginnt mit zwei Hosenensembles in Haferflocken- und Kakaofarbe. Zu den neuen weiten Hosen gehören lange Cardigan-Jacken mit fingerbreiten Ledergürteln, Flanellblusen und Fuchsberets. Die reversiblen Mäntel sind weit und aus Wollkaschmir. Danach gab es nur mehr Tailleurs und Mantel mit ihren Kleidern zu sehen. Erst für den Abend und vor den großen Ballkleidern zeigten sich wieder Hosenensembles.