Der amerikanische Außenminister Rogers erklärte am Montag auf einer Pressekonferenz, Washington werde auf der Herbstsitzung der UN für die Aufnahme Pekings in die Vollversammlung stimmen; es werde sich aber einem Ausschluß Taiwans widersetzen. – Die Frage, ob Peking auch den Platz Taipehs im Sicherheitsrat einnehmen solle, könne Washington nicht einseitig entscheiden (siehe Dokumente der Zeit).

Der chinesische Ministerpräsident Tschou En-lai hat dagegen vor amerikanischen Studenten betont, daß es nur ein einziges China gebe und daß ein unabhängiges. Taiwan nicht existiere. Im Gespräch mit dem kanadischen Wirtschaftsminister Pepin meinte der Ministerpräsident, falls die UN eine „Zwei-, China-Politik“ betreibe, werde Peking auf einen Sitz verzichten.

Tschou En-lai unterstrich, daß die Taiwan-Frage für die chinesisch-amerikanische Annäherung nicht von erstrangiger Bedeutung sei. Wichtiger für die Normalisierung der Beziehungen sei die Beendigung des Indochinakrieges. China beabsichtige nicht, wie vor allem von Moskau behauptet wird, eine Supermacht zu werden. Dagegen versuchten die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten gemeinsam, in einem „Komplott“ die Welt unter sich aufzuteilen. Gegenwärtig gehe es der Volksrepublik China vor allem um die Industrialisierung des Landes.

Heftige Angriffe gegen die Vereinigten Staaten richtete die chinesische Nachrichtenagentur Hsinhua, die US-Verteidigungsminister Laird vorwarf, er. betreibe eine Politik der atomaren Einschüchterung.

Neuen politischen Belastungen ausgesetzt ist das Verhältnis zwischen Taiwan und Japan, des neben den USA sowohl politischen wie wirtschaftlichen Hauptpartners Taipehs. Allerdings will Japan ebenso wie die Vereinigten Staaten einer Beitritt Pekings zur UN nicht verhindert und besteht darauf, daß Taipeh in der Weltorganisation bleibt.

Zu einem offiziellen Besuch reiste Generalsekretär Tschang Tschun aus Taiwan nach Tokio. Er suchte von Japan politische Garantieversprechen, die er aber nicht erhielt. Japan muß gegenwärtig vorsichtig taktieren, damit es nicht zu einem Bruch mit Peking kommt und Tokio damit den Anschluß an die neue Welt politischer Entwicklungen verliert

Im Zusammenhang mit dem Nixon Besuch scheint auch die plötzliche Reise des nordvietnamesischen Politbüromitglieds Le Duc Tho von Paris über Moskau nach Peking und Hanoi zu stehen Le Duc Tho ist Mitglied der Verhandlungsdelegation bei den Friedensgesprächen mit den Amerikanern in Paris.

Mit den politischen Veränderungen in Fernen Osten befaßte sich vermutlich auch das Gipfeltreffen der europäischer Ostblockstaaten auf der Krim, das völlig unerwartet einberufen worden war. Einzig fehlendes Ostblockland war Rumä-