Über einen pikanten Vorgang berichtete das in Bonn erscheinende Informationsblatt Wehrdienst. Danach erfuhr Sepp Hort, Mitglied der Geschäftsleitung von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) als erster Vertreter der Luftfahrtindustrie, daß der Haushaltsausschuß des Bundestages der Beschaffung von Phantom-Kampfflugzeugen für die Bundeswehr zugestimmt hat. Hort traf sich nur 15 Minuten nach Sitzungsschluß mit dem Vorsitzenden des Ausschusses, Albert Leicht, in der Bonner Landesvertretung von Rheinland-Pfalz. Der Treff wurde ruchbar, weil Hort während der Sitzung des Haushaltsausschusses anrief und nachfragen ließ, ob es bei der getroffenen Verabredung mit Herrn Leicht bleibe. Ein Saaldiener des Bundestages befragte Leicht und bestätigte Hort den Termin.

Die Kunde von der Zusammenkunft zwischen dem Vorsitzenden des Haushaltsausschusses, der die Phantom-Beschaffung einsegnete, und einem Repräsentanten der am Phantom-Projekt nicht uninteressierten deutschen Luftfahrtindustrie erreichte Rüstungsstaatssekretär Ernst-Wolf Mommsen bereits kurz nach der Sirzung. Danach wußte es bald auch Helmut Schmidts Parlamentarischer Staatssekretär Willi Berkhan. Als der Wehrdienst solche Vertraulichkeiten publik machte, reagierte Sepp Hort gereizt: MBB kündigte prompt den Bezug von 16 Wehrdienst-Exemplaren. Aus München trafen sogar vier Exemplare, die bereits bis Ende 1971 bezahlt sind, per Einschreiben mit dem Vermerk „auf Veranlassung der Geschäftsleitung zurück“ beim Verleger ein. Kommentar von Herausgeber Griephan: „Für eine saubere Information, die eine ganze Branche interessiert, nehmen wir gelegentlich Ärger mit dem einzelnen in Kauf.“ Im Büro des Abgeordneten Albert Leicht hält man jede Diskussion über die Verabredung in der Landesvertretung für überflüssig: „Man sollte das nicht breittreten.“ Bei MBB heißt es schlicht: „Wenn es ein Treffen gegeben hat, stand es nicht im Zusammenhang mit der Sitzung des Ausschusses.’

Als Überbleibsel aus Feudalzeiten empfindet der SPD-Abgeordnete Alwin Brück die deutschen Jagdgesetze. Brück stört vor allem, daß die „Jagdberechtigten“ für Unfallschäden, die durch Wild verursacht wurden, keine Entschädigung zählen müssen, der Geschädigte sich aber, nicht einmal an dem verletzten oder getöteten Tier schadlos halten darf. Brück meinte, die geltenden Bestimmungen seien nicht mehr zeitgemäß, und regte die Gründung eines Haftungsverbandes an. Staatssekretär Fritz Logemann aus dem Landwirtschaftsministerium lehnte dieses Ansinnen indes als nicht sinnvoll ab. Der SPD-Abgeordnete Karl-Heinz Hansen dagegen kann nicht einsehen, daß ein Rentner, der einen Hund hält, eine Haftpflichtversicherung abschließen müsse, um gegen eventuelle Haftungsansprüche gewappnet zu sein, ein Jagdberechtigter dagegen nicht zum Schadenersatz verpflichtet wird. Hansen: „Hier wird doch die soziale Ungerechtigkeit wieder besonders deutlich. Der Baron August von Fink und die Herren von Thurn und Taxis werden im Gegensatz zu dem Rentner, der sich einen Hund hält, eindeutig privilegiert.“ Logemann allerdings meint: „Wir können doch nicht verlangen, daß der Jäger für jedes Reh eine Haftpflichtversicherung abschließt.“

Hansen stört auch, daß Verkehrsminister Georg Leber Steuergelder aus seinem Verkehrsetat für Wildzäune ausgibt. Er trägt 90 Prozent der Kosten für neue Wildzäune an Bundesstraßen und 50 Prozent der Kosten für die Erneuerung alter Zäune. SPD-MdB Hansen bissig: „Leute wie der Großgrundbesitzer Fink errichten zwar Zäune, um Erholungsuchende von Wäldern und Seen fernzuhalten, aber keine Zäune für Unfallverhütung. Das müssen die Steuerzahler selbst machen.“

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Einen neuen Begriff hat Verkehrsminister Georg Leber für die gute alte Stechuhr zur Kontrolle der Arbeitszeit geprägt: „automatische Zeiterfassung So jedenfalls verkauft Lebers Pressestelle die kürzlich eingeführte Stechuhr in seinem Ministerium. Pressesprecher Ewald Stöwe nannte die Kontrolluhr sogar einen „Computer des kleinen Mannes“. Die Uhr diene auch keineswegs zur Kontrolle der Beamten und Angestellten, sondern vor allem dazu, daß „jeder seine Eigenkontrolle hat“.

Die Uhr wurde mit der Einführung der gleitenden Arbeitszeit im Leber-Ministerium installiert. Es besteht auch kein Zwang zur Benutzung, denn die Leber-Leute haben die Wahl: entweder die Stechuhr zu bedienen und ein Arbeitszeitenblatt zu führen oder nach bisher geltendem Stundenplan zu arbeiten. Verkehrssprecher Tiefernst: „Niemand wird gegängelt und auch nicht kontrolliert.“ Über Klagen wisse er auch nichts zu berichten. Das kann allerdings nur auf mangelnde Tuchfühlung zwischen der Amtsspitze und den Mitarbeitern zurückzuführen sein, denn in Bonn pfeifen es die Spatzen von den Dächern: „So haben wir uns den sozialen Fortschritt nicht vorgestellt, nicht mit Stechuhr.“ Leber aber scheint dem unkontrollierten Arbeitseifer seiner Beamten zu mißtrauen.