Im Herbst dieses Jahres soll in Deutschland mit Hilfe finanzkräftiger Konzerne der Siegeszug eines Zwitters beginnen. Der Name des Zwitters: Part-Publication oder Part-Work, zu deutsch Lexikon-Zeitschrift.

Der Begriff ist in der Bundesrepublik noch weitgehend unbekannt, obwohl es Part-Publications bereits seit vier Jahren auf dem deutschen Markt gibt. Es handelt sich dabei um ein Mittelding zwischen Buch und Zeitschrift: Große lexikalische Werke mit zahlreichen farbigen Illustrationen, die sich wegen ihres hohen Preises immer schwerer auf einmal verkaufen lassen, werden in viele kleine Teile aufgegliedert, die wöchentlich als „Zeitschrift“ verkauft werden und sich später in Sammeleinbänden wieder zu einem repräsentativen Lexikon zusammenfügen lassen.

Bemerkenswert bei diesem Buchverkauf in Raten ist vor allem der Vertriebsweg. Die Lexikon-Zeitschriften werden nicht über den Buchhandel, sondern über den Zeitschriftenhandel, also über Kioske und andere Zeitschriftenverkaufsstellen, vertrieben. Dadurch werden nicht nur wesentlich mehr Käufer, sondern auch völlig andere Schichten erreicht als durch den traditionellen Buchhandel.

In anderen Ländern Europas und Amerikas sind mit Lexikon-Zeitschriften schon große Erfolge erzielt worden. Die Entwicklung begann 1959 in Italien, einem Land, das praktisch keinen Taschenbuchmarkt besitzt. Seitdem wird dort ein großer Teil der Verlagsumsätze mit Part-Works gemacht. 1970 konnte man an italienischen Kiosken vierzig verschiedene Serien kaufen. Die Themen reichen von allgemeinen technisch-naturwissenschaftlichen, geographischen oder medizinischen Enzyklopädien bis zu Spezialwerken für Fischer, Jäger, Kunstliebhaber sowie für strickende und kochende Hausfrauen. Sogar die Bibel wird so als Fortsetzungszeitschrift auf Raten an den Mann gebracht.

Seit einigen Jahren erscheinen Lexikon-Zeitschriften – teils als Lizenzausgaben, teils als Originaleditionen – auch in Spanien, Portugal und den südamerikanischen Staaten, aber auch in so klassischen Taschenbuch-Ländern wie Frankreich, Holland und England.

In der Bundesrepublik konnte sich lange Zeit kein Verleger für die neue Publikationsform erwärmen. So waren es ausländische Verlage mit entsprechenden Erfahrungen, die als erste Lexikon-Zeitschriften auf dem deutschen Markt einführten. 1967 gründete der italienische Marktführer Fratelli Fabbri zusammen mit dem Schweizer Verlagshaus und den beiden Geschäftsführern Gerd Seibert und Dr. Erhard Wendeiberger als Minderheitsgesellschaftern in Stuttgart den Wissen-Verlag. Noch im gleichen Jahr erschien dort die Zeitschrift „Wissen“, die auf 196 Nummern mit einer Laufzeit von dreidreiviertel Jahren konzipiert war. Zwei Jahre später brachte der Verlag die „Enzyklopädie 2000“ und eine Briefmarken-Enzyklopädie heraus, die mittlerweile mit der Zeitschrift „Mauritius“ des Hamann-Verlags in Murnau fusioniert wurde.

Von Heidi Dürr Erfolglose Pioniere