Drei volle Arbeitstage – gleichsam mit gleitender, Arbeitszeit – haben die beiden Apollo-15-Astronauten David Scott und James Irwin am vergangenen Wochenende auf dem Mond bewältigt. Arbeitstage, bei denen selbst das Anlegen der Berufskleidung und die Fahrt zu den verschiedenen Arbeitsstellen zur harten Arbeit wurde. Ziemlich genau hielten beide dabei das auf der Erde übliche Arbeitsmaß ein: Mit allen Vorbereitungen dauerten die drei Mondexkursionen jeweils etwa acht Stunden.

Neben ihren trainierten Qualitäten als geschulte Geologen, als Kraftfahrer und als Kameramänner mußten die Astronauten auch ganz unerwartete Eigenschaften unter Beweis stellen: Sie wurden als Klempner, Kraftfahrzeugmechaniker und Funkspezialisten gefordert. Doch die cleveren Männern an der drahtlosen Longe bewältigten die zahlreichen kleinen Pannen, mit denen der Zufall sie diesmal konfrontierte. Daß sie sich dabei durchaus irdischer Tricks bedienten, nahm man mit Vergnügen zur Kenntnis.

Erstaunlich nur, welch ungewöhnliche Ausrüstungsgegenstände hier plötzlich ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerieten. Irgendwie scheint das Innere der Mondfähre auch Ähnlichkeit mit der Hosentasche eines Jungen zu haben. Da gab es Papiertücher, mit denen die schwerelos herumfliegenden Wassertropfen eines leck gewordenen Trinkwasserbehälters eingefangen wurden; da zauberten die Astronauten Klebeband hervor, mit dem eine zweimal abgebrochene Antenne auf Irwins Funkgerät wieder zusammengeflickt werden konnte. Ein Staubsauger – ursprünglich wohl zum Absaugen von Mondstaub gedacht – eignete sich plötzlich auch zum Einfangen der Splitter eines zerbrochenen Instrumentenglases. Kleiderbürsten und Pinsel rückten ins gestochen scharfe Kamerabild: Die Astronauten beim Mondstaubwischen. Und die Hülle eines Raumhelms schließlich wurde zur Schöpfkelle umfunktioniert – galt es doch, elf Liter Trinkwasser in der Mondfähre „Falcon“ aufzusammeln und später auf den Mondboden zu schütten (wo sie sofort ins Vakuum verdampften).

Beim Betrachten der Begebenheiten während der ersten Mondexkursion konnte man sich übrigens des Eindrucks nicht erwehren, daß der Gott des Umweltschutzes auf unserem Erdtrabanten lebt. Rächte er doch postwendend die wenig nachahmenswerten Ex-und-Hopp-Gepflogenheiten der Astronauten: Als David Scott die Umhüllung einer Meßsonde mit Schwung in die Gegend schleuderte, beförderte ihn der nicht einkalkulierte Rückstoß dieses Wurfes unsanft in den Mondstaub.

Was die Astronauten sonst an Arbeit auf dem Mond verrichteten, glich manchmal den Tätigkeiten unserer Ur-Urahnen: Sammeln und Fallenstellen. Freilich galt ihr Sammeln von Gesteins- und Staubproben nicht der Befriedigung eigener Bedürfnisse. Und auch die wissenschaftlichen Meßgeräte, die nun zum drittenmal von Amerikanern wie Fallen auf der Oberfläche unseres Erdtrabanten placiert wurden, nutzen nicht den Astronauten. Doch ein weltweites Heer von Forschern wird seinen wissenschaftlichen Hunger über viele Jahre an dem Material stillen können, das entweder Scott und Irwin jetzt schon vom Mond zur Erde bringen oder das in den nächsten Monaten von den Instrumentenfallen eingefangen und dann als Informationsextrakt zur Erde gesendet wird.

Michael Globig