Friedrich Flick scheint auch im hohen Alter von 87 Jahren seine Spürnase für künftige Entwicklungen behalten zu haben. Flick war nach dem Kriege im Gegensatz zu manchem anderen Unternehmer ohne Murren der alliierten Verkaufsauflage gefolgt und hatte sich von seinen Montaninteressen getrennt, weil er die Chance sah, den Verkaufserlös in Wachstumsbranchen wie Fahrzeugbau und Chemie zu investieren. Jetzt hat er aus seinem Papierkonzern Feldmühle die Produktionsanlagen ausgegliedert und in eine neue Tochtergesellschaft eingebracht.

Vordergründig wird dieser Schritt mit dem Auslaufen des Umwandlungsgesetzes begründet, das erlaubt, solche Transaktionen steuerneutral vorzunehmen. Trotz aller Beteuerungen, dieser Schritt habe weiter nichts zu bedeuten, wäre es sehr erstaunlich, wenn diese Maßnahme nicht der Vorbereitung eines bedeutenderen Schachzuges dienen würde.

Die Papierindustrie bereitet zur Zeit wenig Freude. Ihre Kennzeichen sind Kostensteigerungen bei Rohstoffen und Löhnen, mit denen die Preise und die Nachfrage nicht Schritt halten. Es würde nicht überraschen, wenn sich die Produktion der Feldmühle eines Tages mit einem heutigen Konkurrenten unter einem gemeinsamen Dach wiederfinden würde. mh