Von Wolfram Siebeck

Wenn früh am Morgen die Sonne den Dieselqualm des tuckernden Traktors durchbricht, putzen wir Landbewohner uns den Schlaf vom Gefieder und verlassen vorsichtig sichernd den Bau.

Nicht vielen ist es im Leben vergönnt, das Kroppzeug – sei es Verwandt- oder Gerätschaft – in freier Wildbahn zu beobachten. Wer aber dazu noch die blühenden Lehrbüchlein heimatkundiger Forstbeschreiber parat hat, dem beglückt die Deutung der vor seinen Augen liegenden Schönheit für immer das Herz.

Ein recht häufiger Wiesenbewohner in unseren Breiten ist der hölzerne Klappstuhl, auch gestreifter Fingerklemmer genannt. Er bevorzugt zum Aufenthalt die Nähe der Häuser. Meinen Anblick ist er gewohnt und läßt mich nahe heranpirschen. Doch sobald ich ihn berühre, bricht er zusammen.

Im nahen Dickicht nistet am Boden der anmutig gekrümmte Bumerang. Man hielt die schönen Krummstäbe zunächst für australische Verflieger, doch tatsächlich kamen sie vom Kaufhof. Die ausgesetzten Exemplare verwildern schnell in Busch und Wiesengrund. Ihr charakteristischer Flug ist unberechenbar und endet entgegen landläufiger Meinung nie am Ausgangspunkt, sondern in Dachrinnen und Fensterscheiben der Nachbarn.

Stolpert morgens der verschlafene Bauer am Blecheimer der Buben, dann taucht verschreckt hinter den schlankschäftigen, weißrindigen Birken ein massiger Körper auf. Ein Damastsessel ist’s, hier am Vortage ausgesetzt und vergessen. Jetzt hat er die Nacht im Tau gestanden. Der wuchtige Rücken, die kräftigen Lehnen, der abfallende Sitz und die gedrechselten Läufe verraten die Herkunft des urigen Möbels: Vom Trödler am Bahnhof wechselte es in unsere Diele. Ich saß ihm oft auf der Decke, doch heut hat sie Schonzeit, die von Vögeln bekleckerte Seide.

Im dunklen Schatten des wilden Wacholdergehölzes steht rostig verborgen die Briefwaage. Manchen Schrieb hat sie austariert auf goldener Scheibe, ihre zutrauliche Art war im Kaminzimmer mir liebe Gewohnheit. Eines Tages verschwand sie; die Brunft trieb sie hinaus in die Wildnis zur Taube. Meine Post frankiere ich jetzt nach Gefühl.