Der Austausch der Anklagen – Moskau: „Blutige Willkür“; Khartum: „Niederträchtige Propagandakampagne“ – endete am Montag mit einer tiefen Verstimmung zwischen der Sowjetunion und dem Sudan. Staatschef Numeiri rief seine Botschafter aus der Sowjetunion und Bulgarien ab und forderte den sowjetischen Geschäftsträger in Khartum, Orlow, auf, das Land binnen einer Woche zu verlassen. Dem bulgarischen Botschafter Säimoff wurde eine Frist von 48 Stunden gesetzt.

Numeiri betonte nachdrücklich, mit der Ausweisung quittiere er nur die Hetz-, kampagne der Ostblockpresse gegen die Kommunistenverfolgungen nach dem mißglückten Putsch. Er beschuldigte die Diplomaten nicht, aktiv teilgenommen zu haben; freilich müsse noch „sehr intensiv“ die Rolle der kommunistischen Botschaften untersucht werden.

Die sudanesische KP – nach Numeiris Worten für den Putsch verantwortlich – existiert praktisch nicht mehr. Zwischen 1400 und 1600 Mitglieder und Sympathisanten auch aus den Reihen der Gewerkschaften – die verschärfte Pressezensur erlaubt keine genaueren Angaben – wurden verhaftet; davon rund 400 wieder freigelassen. Bis jetzt wurden 14 Putschisten exekutiert beziehungsweise hingerichtet; mit vier weiteren Todesurteilen ist zu rechnen. 30 Verfahren stehen noch an.

Der kommunistische Proteststurm hat Numeiri offenbar unbeeindruckt gelassen. Aber auch Moskau hielt sich zurück – nicht nur wegen seiner 1800 Militärberater im Lande und Numeiris Ankündigung, nach Waffen und Wirtschaftshilfe könne er sich anderweitig umtun. Die engen Bindunger. des Sudans an Ägypten und Libyen, dessen Staatschef Ghaddafi lautstark linken und rechten Kolonialismus ebenso verwarf wie kommunistische und nationalistische Ideologien, zwingen Moskau zur Vorsicht. Der Kreml versucht, seine Position in der arabischen Welt zu erhalten, aber es zeichnet sich eine Modifizierung seiner Politik ab. So verdichteten sich die Gerüchte über diplomatische Kontakte der Sowjetunion zu Israel.

Wie tief aber das arabische Lager gespalten ist, bewies die (Rumpf-)Gipfelkonferenz von Tripolis am Wochenende, die sich mit Jordanien beschäftigte. Jordanien und Marokko erhielten keine Einladungen; Tunesien und Algerien gaben keine Antwort; Saudi-Arabien, Kuwait, Irak und der Libanon sagten ab und Numeiri schickte nur einen Vertreter. Bei Ägypten, Syrien und den beiden Jemen fand Ghaddafi mit seiner Forderung nach bewaffneter Intervention kein Gehör.

Auf den schließlich akzeptierten Dreipunkteplan des Palästinenser-Führers Arafat antwortete König Hussein unmißverständlich scharf: Jordanien werde nur Gruppen dulden, die gegen Israel kämpften und gegenüber Amman loyal seien. Algerien brach die Beziehungen zu Jordanien ab; das Haschemitenreich richtet sich jetzt auf eine Wirtschaftsblockade durch seine arabischen Nachbarn ein.

Israels Verteidigungsminister Dayan nutzte den Bruderzwist im arabischen Lager zu einer ernsten Mahnung an die amerikanische Adresse: Ägyptens Warnung, das Nahostproblem bis Ende des Jahres lösen zu wollen, verdiene Beachtung und Aufmerksamkeit. Aber der nächste Schritt sei jetzt an Ägypten. Diese kompromißlose Haltung unterstrich der stellvertretende Ministerpräsident Allon: Die USA seien bestenfalls Vermittler.