Der Umweltschutz“, so formulierte jüngst der Stadtrat von München, „wird Opfer fordern.“ Wer jedoch die „Opfer“ sind, ist nicht immer absehbar. Jüngstes Beispiel: Die Veba-Chemie hatte für eine geplante Raffinerie und ein petrochemisches Werk einen nahezu idealen Standort gefunden. Er lag am Niederrhein – beste Lage für Transport zu Wasser und zu Lande, billiges Gelände in einem Industrieansiedlungsgebiet und bereitstehende Förderungsmittel im Rahmen des Steinkohleanpassungsgesetzes.

Der Konflikt: Das Projekt kann am Protest der Bevölkerung und an den Gutachten der Landesanstalt für Immissions- und Bodennutzungsschutz in Essen scheitern. Geruchsbelästigung und Luftverschmutzung würden – so ermittelte die Essener Anstalt – die Umwelt „außerordentlich beeinträchtigen“. Wer aber sind die Opfer? Entweder das Unternehmen, das sich womöglich einen neuen, ungünstigeren Platz suchen und dort kostspieliger investieren und produzieren muß, oder die Bevölkerung, deren Gesundheit und Wohlbefinden bedroht sind.

Doch das Problem ist vielschichtig: Die Industrieansiedlung schafft Arbeitsplätze. Eine wachsende Wirtschaft bedeutet für die Bevölkerung mehr Einkommen und höheren Lebensstandard. Ob ein Verzicht darauf durch „radikales Umdenken“ – wie es der Münchner Stadtrat forderte – zu erwarten ist, scheint fraglich. Bleibt nur der Ausweg, mit Hilfe von gesetzlichen Bestimmungen und technischen Verbesserungen die Umwelt nicht noch unfreundlicher zu machen. gf