Das ist eine gute Nachricht für alle, die sich Sorgen machen um die innere Demokratie bei den Gewerkschaften; also für jene Unternehmen etwa, die bei dem jüngsten Arbeitskampf in der chemischen Industrie zum Kadi liefen, weil die IG Chemie vor ihren Streikaktionen keine Urabstimmung veranstaltete.

Unter den Anträgen zum Gewerkschaftstag der IG Metall im Oktober findet sich die Forderung, die Gewerkschaft solle künftig ihre Mitglieder auch dann in einer Urabstimmung befragen, wenn das Ergebnis von Tarifverhandlungen nicht mit den gestellten Lohnforderungen übereinstimmt. Die Verhandlungsergebnisse sollen als abgelehnt gelten, wenn sich mehr als 50 Prozent der Abstimmenden dagegen aussprechen.

Vorbei wäre dann – wenn der Antrag angenommen wird – die Ungewißheit der Arbeitgeber, ob die Arbeitnehmer mit dem in langen Nachtsitzungen mit den Gewerkschaftsfunktionären ausgehandelten Kompromiß auch zufrieden sind. Vorbei wäre es dann mit dem Verdacht, die Gewerkschaftsführer gängelten ihre Mitglieder und entschieden über ihre Köpfe hinweg. Vorbei wäre es allerdings denn auch mit der Möglichkeit mit verantwortungsbewußten Männern der Gewerkschaft eine sachliche Lohndiskussion zu führen, denn auch das wird der unmittelbare Druck der Basis zu verhindern wissen. hm