Ich bin Schülerin, das ist böse, und ich bin ein Mädchen, das ist arg.

Frau, die ich werden soll, und Schülerin, die ich bin, muß mein Ideal sein: in den kleinsten Dingen bedient zu werden und in den größten zu dienen.

Frauen, laßt uns diesem Ideal so recht mit frommem Eifer folgen, dann werden wir zwar nie für gleiche Arbeit gleichen Lohn wie unsere männlichen Kollegen erhalten, werden nie mehr als einen weiblichen Minister haben, werden viele liebe Kinder waschen, ernähren, erziehen dürfen – und man wird uns dafür die Türen aufhalten oder in den Mantel helfen oder gelegentlich die Zigarette anzünden.

Wie sieht es aus, das Handikap, das uns zum Schönsein und zum Stillhalten verdammt? Ist es uns angeboren?

Angeboren ist uns die Fähigkeit, Kinder zu gebären. Wir können etwas, was kein Mann und keine Maschine kann. Eine herrliche Aufgabe, ein Projekt, bedeutender als der Flug zum Mond. Aber eben nur eine Möglichkeit von mehreren. Zum Handikap wird diese Fähigkeit erst durch die Männer gemacht, die uns seit Jahrhunderten ihr Ideal vom Kinder gebärenden Weib aufzudrängen versucht haben.

Ob sie es vielleicht aus Angst taten? Ob sie vielleicht genau wußten, was Statistiken beweisen, daß Frauen länger leben, zäher sind, dynamischer, wandlungsfähiger als Männer?

Wahrscheinlich waren sie einfach zu bequem, um aus Urzeiten übernommene Verhaltensweisen zugunsten rationaler Anschauungen zu verändern. Und wir Frauen waren und sind es leider auch. Wir haben uns zu leicht und zu gründlich daran gewöhnt, mittelbar Einfluß zu nehmen, unsere uns aufgezwungene Zurückhaltung in Wort und Tat durch Dekolletés, Beine, Bäuche zu kompensieren. Wir haben zu spät entdeckt, wieviel Spaß direkte Mitbestimmung macht und wie gut sie uns bekommt.