Bonn, im August

Zuweilen hat es den Anschein, als hänge die Zukunft der jetzigen Bundesregierung von ein paar Namen ab. Und so wird denn von den Beobachtern der Bonner Szenerie unermüdlich das Thema Kabinettsumbildung diskutiert. Aber würde sich denn wirklich allein dadurch so viel ändern, wenn an die Spitze des einen oder anderen Ressorts ein neuer Mann gestellt würde, der ja doch nur mit dem Etat seines Vorgängers und im Rahmen der längst abgegebenen Regierungserklärung des Bundeskanzlers arbeiten könnte?

Konkret: Ware es mehr als nur eine technische Flurbereinigung, müßte Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller einen Teil seines eilends zusammengebastelten Superministeriums wieder in die Selbständigkeit entlassen? Gewiß nicht. Die nach dem Rücktritt von Finanzminister Alex Möller getroffene Entscheidung des Bundeskanzler Schiller zum Chef eines Doppelministeriums zu machen, galt weithin nur als Notlösung. Von Anfang an war klar, daß damit auch völlig zusammenhanglose Arbeitsbereiche in einen Topf geworfen worden sind, daß die Wiederherstellung der politischen Stabilität den Vorrang hatte vor der sachgerechten Abgrenzung und Abstimmung.

Schiller, so scheint es, ist nicht sonderlich daran interessiert, den Zustand seines Hauses unverändert zu erhalten. Und auch Kanzler Willy Brandt, in Personalfragen sonst sehr zurückhaltend, deutete über die Zukunft seines Kabinetts vorsichtig an: „Änderungen vorbehalten.“ In Bonn gilt als sicher, daß er damit die Ernennung eines Ministers für Industrie und Außenhandel im kommenden Jahr gemeint hat.

Das neue Ministerium würde sich aus dem um seine ursprünglichen Abteilungen für Wirtschaftspolitik sowie Geld und Kredit erleichterten Wirtschaftsressort bilden, dem voraussichtlich noch die Abteilung für Bundesbesitz des Finanzministeriums zugeschlagen würde. Dies wäre eine ganz und gar undramatische Entscheidung, die allenfalls durch den Mann etwas Farbe erhielte, den sie neu ins Kabinett brächte. Zumal, wenn dieser neue aus München käme und Hans-Jochen Vogel hieße. Dieter Piel