Jahr für Jahr steht eine halbe Million Schüler der Abgangsklassen vor der gleichen Frage: Was soll ich werden? Und oft tritt dabei eine andere Frage von gleicher Bedeutung in den Hintergrund: Wo lerne ich am meisten? Welcher Betrieb bietet die zweckmäßigste Ausbildung?

Im vergangenen Jahr waren über 600 000 betriebliche Berufsausbildungsstellen zu besetzen. Aber nur 355 000 Jugendliche entschieden sich für einen Lehrberuf. Folglich blieben über 40 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Zahl der Bewerber ist im Verhältnis zu den Nachwuchsanforderungen der Betriebe viel zu gering.

Doch das reichliche Angebot an Ausbildungsplätzen bringt den meisten Interessenten einen großen Vorteil: Sie können unter mehreren Möglichkeiten wählen. Aber weder für die Auswahl des geeigneten Berufes noch für die Wahl des besten Lehrlingsplatzes gibt es sichere Kriterien, an denen sich die Abgangsschüler orientieren können. Um so wichtiger sind alle Anhaltspunkte, nach denen Eltern und künftige Lehrlinge den besten Ausbildungsplatz finden können.

Seit etwa drei Jahren versuchen die Gewerkschaften, die Qual der Wahl zu erleichtern. Sie geben den Abschlußklassen Gelegenheit, noch während der Schulzeit verschiedene Betriebe kennenzulernen. So ist in Hamburg ein freiwilliges Berufspraktikum eingeführt worden.

Den Schülern steht es damit frei, sich mehrere Wochen lang die Ausbildung in einem Beruf anzusehen, der ihnen verlockend erscheint. Diese Einführung in Beruf und Betrieb hat sich bewährt, obwohl die Betriebe oft versucht sind, nur die angenehmen Seiten des Lehrlingsdaseins zu zeigen.

Die Gewerkschaften beklagen sich, daß das Berufspraktikum noch völlig freiwillig ist. In vielen Bundesländern ist es zudem noch weitgehend unbekannt. Den künftigen Lehrlingen ist es aber als gute Informationsmöglichkeit ans Herz zu legen – auch wenn sie eventuell die Ferien dafür opfern müssen.

Auch öffentliche Stellen können wertvolle Tips bei der Auswahl des geeigneten Lehrbetriebes geben. Das gilt vor allem für die Beratungsstellen bei den Arbeitsämtern, den Handels- und Handwerkskammern. Auch die Berufsbildungsausschüsse der Gewerkschaften sind den künftigen Lehrlingen gern behilflich.