Flucht ins Gold

Mit 42,25 Dollar je Unze ist der höchste Goldpreis seit zwei Jahren erreicht. Die Goldspekulanten setzten auf eine Neuordnung des westlichen Währungssystems als Folge einer sich erneut abzeichnenden Dollarkrise. Auftrieb erhält die Gold-Spekulation durch die um 6 Prozent aufgewertete Mark. Da in internationalen Finanzkreisen eine siebenprozentige Aufwertung als mögliche Obergrenze angesehen wird, nehmen die Währungsspekulanten jetzt ihre in der Bundesrepublik erzielten Gewinne mit und versuchen ihr Glück im Gold, das nach ihrer Ansicht nunmehr die größeren Chancen bietet.

„Steuerfreie“ unter Beschuß

„Durch geeignete Maßnahmen soll die Bundesregierung dafür sorgen, daß die Emissionsinstitute die steuerfreien festverzinslichen Wertpapiere vorzeitig auslosen“, fordert die SPD-Steuerreform-Kommission. Ende Mai 1971 waren noch knapp 6,3 Milliarden Mark Schuldverschreibungen im Umlauf, deren Zinsen steuerfrei kassiert werden können. Diese Papiere stammen aus einer Zeit, als man einerseits den Zins am Kapitalmarkt niedrig halten wollte, und andererseits die Anleger nicht bereit waren, zu diesen Zinsen ihr Geld herauszurücken. Damals verfiel man auf den Ausweg der Steuerfreiheit. Er ermöglichte die Anfänge des sozialen Wohnungsbaus. Heute sind die „Steuerfreien“ fast ausschließlich im Besitz von Personen und Institutionen, die einer hohen Einkommensteuerprogression unterliegen oder körperschaftsteuerpflichtig sind. Die Pfandbriefinstitute, die sich mit Hilfe dieser Papiere billig refinanzieren, sind freiwillig nicht bereit, die steuerfreien Emissionen vorzeitig zu tilgen. Auf den Vorschlag der Eppler-Kommission hat die Börse nicht reagiert. Sie hält ihn für nicht realisierbar.

Sang- und klanglos geschlossen

Der Capital Growth Fund, vor Jahren mit viel Werbeaufwand in der Bundesrepublik vertrieben, ist von seiner Verwaltungsgesellschaft (New Providence Securities Ltd., Nassau / Bahamas) mit Wirkung vom 19. Juli in einen geschlossenen Fonds umgewandelt worden. Damit sind die Anteile an Capital Growth praktisch unverkäuflich geworden. Präsident C. W. McAlpin begründet die Umwandlung mit den hohen Kosten, die ein offener Fonds verursacht. Einschneidend ist auch der Fortfall des Versicherungsschutzes, der den Anteilseignern bisher gratis geboten wurde. Bei vorzeitigem Tod sollte der ursprünglich investierte Betrag wieder ausgezahlt werden. Da Capital Growth-Anteile inzwischen einen ungewöhnlichen Wertverlust erlitten haben, dürfte die Versicherung hohe Prämien von der Verwaltungsgesellschaft verlangt haben. Sie waren untragbar geworden.