In den Börsensälen gibt es zwei widerstreitende Auffassungen. Die Optimisten meinen, daß der Niedergang des Dollar-Kurses und die Maßnahmen, die einige Staaten gegen den Dollar-Zufluß ergriffen haben, die internationale Liquidität in die Mark und damit auch in die deutschen Wertpapiere lenken werden. Diese Leute sind der Hoffnung, daß sich die Käufe des Auslandes bei den deutschen Aktien – nach einer kleinen Besinnungspause – wieder beleben werden.

Auf der anderen Seite wird zu bedenken gegeben, daß jetzt – da die Aufwertung der Mark gegenüber dem Dollar schon einen Satz von 6,8 Prozent erreicht hat – der Reiz für die Ausländer, deutsche Aktien zu erwerben, allmählich schwindet. Denn mit einem Aufwertungsgewinn können sie jetzt kaum noch rechnen. Hinzu kommt, daß die deutsche Exportwirtschaft und dazu sind nahezu alle großen Aktiengesellschaften zu rechnen – durch den Aufwertungssatz in einer Zeit belastet werden, da sie mit der inländischen Kostenexplosion nicht einmal fertig geworden sind.

Die Pessimisten weisen weiter darauf hin, daß die Konjunkturankurbelung durch die Regierung, wenn sie zur Jahreswende versucht werden sollte, nur dann einen nachhaltigen Erfolg haben wird, wenn neben den staatlichen Investitionen eine private Investitionswelle anläuft. Damit ist aber so lange nicht zu rechnen, wie sich die Unternehmer keine angemessene Gewinnmarge ausrechnen können. Davon kann vorerst noch keine Rede sein. Die ohnehin vorhandene Unsicherheit über Gewinnvorausschätzungen wird vergrößert durch die diversen Pläne über beabsichtigte Steuererhöhungen.

Trotz aller Bedenken scheint die Mehrzahl der deutschen Investment-Fonds für den deutschen Aktienmarkt noch zuversichtlich zu sein. Ihre Barmittel, verringert durch Anlagekäufe in den letzten Wochen, haben einen bemerkenswert niedrigen Stand erreicht. Spekuliert wird auf eine Zinswende im September. Sie würde zu steigenden Rentenkursen führen und zumindest stimmungsmäßig den Aktienmarkt befruchten. „Das wäre dann der Zeitpunkt, zu dem man aussteigen muß“, ist die Ansicht vieler Experten, und zwar so vieler, daß man zweifeln muß, ob alle auch zu steigenden Kursen ihre Papiere loswerden. K W.