Profis sind wir keine, eigentlich nur Sonntagstramper. So sehen wir auch aus. Es fehlen große Rucksäcke und lange Bärte. Einer von uns kann gar keinen Bart haben – einer von uns ist ein Mädchen, der andere hat nur einen kleinen Bart. Vielleicht kommen wir deshalb ganz gut voran: Wir warten durchschnittlich fünf bis zehn Minuten auf einen „lift“.

Die Entfernungen, die wir zurücklegen, sind klein: Tagestouren von Freiburg aus, ins Elsaß, zum Bodensee, nach München. Vor einem Profi, der bis Afghanistan kommt, müssen wir uns verstecken. Aber auch Amateure haben ihre Tramper-Ehre. Unser Stolz: niemals mit der Bahn gefahren zu sein, auch, wenn die Aussichten, einen „lift“ zu bekommen, miserabel waren.

Einmal waren wir nahe daran zu verzweifeln. Das war auf halber Strecke zwischen München und Regensburg, an einem Sonntag in den großen Ferien. Wenn Sie, verehrter Leser, sich erinnern, wie voll Ihr Auto war, als Sie in die Ferien fuhren, können Sie sich vorstellen, daß an solchen Tagen Tramper-Chancen gleich Null sind. Drei Stunden standen wir in glühender Mittagshitze. In der letzten Stunde lösten wir uns ab: einer stand und winkte, der andere saß und erholte sich im kühlen Schatten eines Baumes. Der Weg von der Straße bis zum Baumschatten wurde immer länger, weil der Schatten immer weiter wanderte.

Schließlich kamen wir doch noch hin. Ein VW-Kombi hielt, und ein junges Ehepaar lud uns zum Mitfahren ein. Die junge Frau versicherte uns ausdrücklich, daß sie das nur getan hätten, weil wir nicht aussähen wie Hippies. Man wüßte nicht, die hätten vielleicht ein Messer... Der junge Mann versetzte darauf trocken: „Ob Hippies ein Messer haben, ist fraglich. Der, den wir jetzt mitgenommen haben, hat sicher ein Messer, der rasiert sich nämlich offensichtlich.“

Der Angst vor dem Messer verdankten wir also unseren „lift“ nach Regensburg, denn außer uns saßen noch über hundert „Messer-Verdächtige“ an der Ausfallstraße von München nach Norden.

Nicht nur der Autofahrer ist gefährdet, wenn er Tramper mitnimmt, manchmal kann es auch einem Tramper im Auto ungemütlich werden. Nicht etwa, weil der Autofahrer den Tramper bedroht, auch nicht, weil der Autofahrer die neben ihm sitzende Tramperin überfällt (im Beisein des Verlobten, der auf dem Rücksitz zuschaut, wäre das peinlich), sondern weil es offenbar Leute gibt, die Tramper mitnehmen, um für ihre Rennfahrerkünste Applaus zu ernten. Wir erlebten einmal so einen Todesfahrer, der mit leichtsinnigen Überholkunststücken imponieren wollte. Eine peinliche Situation für den Tramper. Er ist ja Gast und möchte seinen Gastgeber nicht vor den Kopf stoßen. Seit wir jedoch diese Fahrt mitgemacht haben, sind wir fest entschlossen, in Zukunft in ähnlichen Situationen auszusteigen.

Nicht zu empfehlen ist es auch, nachts zu trampen. Da kann man erleben, wie todmüde Autofahrer halsbrecherische Kurven fahren, um sich durch solchen Nervenkitzel wachzuhalten. Da hilft nur reden, reden, reden.