Ein letzter Zufallsgag – ein nicht voll entfalteter Fallschirm – trieb die Spannung noch einmal hoch. Dann aber war sie zu Ende, die teuerste Show der Welt. Statt eines Vorhangs gab es das sattsam bekannte Bergungszeremoniell der US-Navy. Die Hauptdarsteller des 445-Millionen-Dollar-Stücks vom Mond, David Scott, James Irwin und der selten ins Bild gekommene Dritte Alfred Worden, verließen den kosmischen Thespiskarren Apollo 15 und nahmen – noch ein wenig schwankend – den Schlußbeifall ihres irdischen Publikums entgegen.

Stärker als je zuvor bei Apollo-Unternehmen hatte das lunare Spektakel diesmal die Zuschauer in seinen Bann geschlagen. Freilich war dieses Interesse weniger das Verdienst der Regisseure und Mimen als vielmehr das des ausgezeichneten Kameramannes, der das Geschehen im gebirgigen „Lurain“ (Sprachpuristen vermeiden den Begriff „Terrain“) von der Erde aus verfolgte.

Edward Fendell, ein 39jähriger Elektronikingenieur und TV-Neuling, hatte die Funktion des „Captain Video“ übernommen. Assistiert von dem 27jährigen Al Pennington steuerte er an einem 15 knöpfigen Schaltpult im Kontrollzentrum Houston die Farbfernsehkamera am Bug des rund 400 000 Kilometer entfernten Mondjeeps. Dieses zehnpfündige und zwei Millionen Mark teure elektronische Wundergerät brachte zum erstenmal Mondansichten von bestechender Brillanz auf die heimatlichen Bildschirme. Große Tiefenschärfe, enorme Farbtreue, eine Gummilinse mit variabler Brennweite zwischen 12,5 und 75 Millimetern, 340 Grad horizontaler und 85 Grad vertikaler Schwenkbereich – das waren die auffallendsten Merkmale dieses mit Goldfolie geschützten RCA-Produkts.

Freilich war es nicht ganz einfach, den elektronischen Mondbeobachter von Houston aus zu steuern. Die mit Lichtgeschwindigkeit von der Erde zum Erdtrabanten eilenden Funksignale benötigten immerhin eine Laufzeit von 1,8 Sekunden. Erst mit dieser Verzögerung reagierte die lunare Kamera auf die Steuersignale. Weitere drei Sekunden vergingen, ehe das aufgenommene Mondbild in Houston zu betrachten war (einschließlich der Zeit, die für Umsetzen der Signale in ein Fernsehbild benötigt wurde). Erst etwa fünf Sekunden nach der Kameraführung konnte also Fendell jeweils das Ergebnis begutachten.

Monatelang hatten sich Fendell und Pennington auf diese außergewöhnlichen Aufnahmebedingungen vorbereitet. An Kameras mit eingebauter elektrischer Verzögerung übten sie Reaktionsschnelligkeit trotz „langer Leitung“. Aber noch ein weiteres Problem kam hinzu: Der Kameramann mußte zwei Ansprüchen der NASA-Oberen genügen. Das US-Magazin „Time“ beschrieb diese völlig konträren Wünsche so: Die NASA-Geologen wollten vor allem Bilder vom Mondgelände und von Felsen sehen; die Public-Relation-Männer der NASA dagegen und mit ihnen die Fernsehanstalten waren daran interessiert, die Astronauten selbst möglichst oft ins Bild zu bekommen.

Um diese beiden Bedingungen optimal zu erfüllen, um also wissenschaftlichem und öffentlichem Interesse gleichermaßen gerecht zu werden, arbeitete die NASA einen Kompromißplan aus, nach dem Fendell die Kamera steuern mußte. Sobald der Mond-Rover angehalten hatte und die Übertragungsantenne auf die Erde ausgerichtet war, nahm Fendell zunächst ein Weitwinkelpanorama auf: Er führte die vielseitige TV-Kamera in einem langsamen Schwenk fast einmal rund um den ganzen Horizont. Die Wissenschaftler in Houston konnten während dieses Rundblicks mit Polaroidkameras Schnappschüsse vom Fernsehschirm machen und sich an Hand der sofort vorliegenden Abzüge dann besonders interessant erscheinende Geländepunkte heraussuchen. Auf diese Details stellte Fendell dann nach Wunsch die Kamera scharf ein und holte sie in Nahaufnahmen fast auf Reichweite heran. Die Zeiten aber, die die Wissenschaftler zum Auswählen brauchten, konnte Fendell für das Verfolgen der beiden Astronauten nutzen.

Auch den Rückstart der Mondfähre „Falcon“ holte Fendell effektvoll ins Bild. Allerdings gelang die Beobachtung des Aufsteigens nicht so, wie sie ursprünglich geplant war. Wegen der beträchtlichen Signallaufzeiten wäre es Fendell unmöglich gewesen, den Start am Monitor zu verfolgen. Die NASA hatte deshalb vorgesehen, die Kamera nach einem minuziösen Zeitplan dem aufsteigenden Falken nachzuführen. Beispielsweise sollte exakt zwei Sekunden nach dem Abheben der Fähre durch Knopfdruck die Weitwinkeloptik der Kamera eingeschaltet werden, damit der Falkenflug auch in größeren Höhen noch zu erkennen ist. Nichts davon war jedoch zu erblicken.