Konsequenzen und Hintergründe des sowjetisch-indischen Vertrages

Neu-Delhi jubelt

Eine Million Inder strömten durch die Straßen Neu-Delhis, um an einer Großkundgebung teilzunehmen, auf der für ein unabhängiges Ostpakistan demonstriert werden sollte. Zur gleicher Zeit unterzeichneten die Außenminister Singh und Gromyko einen Freundschafts- und Beistandspakt

Die Begeisterung über diesen Vertrag mit der großen Sowjetunion kennt in Indien heute keine Grenzen. Ob dies auch in Zukunft so sein wird, mag dahinstehen. Man könnte sich sehr wohl vorstellen, daß die Ernüchterung, die einsetzen wird, wenn das Problem Bangla Desh einmal an Interesse verloren hat, einem Katzenjammer gleichkommt. Schließlich war es zu Zeiten Nehrus der Stolz aller Inder, daß ihr Land nonaligned war: bündnisfrei. Dies aber dürfte wohl in Zukunft nicht mehr möglich sein, auch wenn die Sowjetunion betont, daß sie die Blockfreiheit Indiens achten werde.

Das indisch-sowjetische Abkommen verpflichtet die beiden Länder nicht zu gegenseitigem militärischem Beistand, aber zur Ergreifung „wirksamer Maßnahmen“, falls einer der beiden von einem Dritten angegriffen wird. Beide Partner verpflichten sich, an keinem gegen den anderen gerichteten militärischen Bündnis teilzunehmen, ferner ihr Territorium nicht für militärische Maßnahmen gegen den anderen zur Verfügung zu stellen und schließlich keiner dritten Seite Unterstütung zu leisten.

Bei diesem Vertrag hat China wohl in doppelter Weise Pate gestanden. Die Inder fürchten, die Unterstützung, die Peking offensichtlich Pakistan zugesichert hat, könnte Yahya Khan zu militärischen Abenteuern ermutigen. Die Russen aber fürchten, die Inder könnten eines Tages der Versuchung nicht mehr widerstehen, einen Präventivkrieg vom Zaun zu brechen, um das Land ihres Erbfeindes zu spalten, was heute nicht allzu schwer sein dürfte. Ein solcher Krieg in Asien, der sicherlich China involvieren würde, muß für die Russen geradezu ein Alptraum sein. Dff

Krieg als Ausweg?