Am Strand kommt ein kleiner Junge mit langen blonden Locken entlangmarschiert. Marschiert? Manchmal stimmt Sprache wieder: Er trägt, weil seine Mutter weiß, was man trägt, einen grün-braun gemusterten Anzug aus Tarnstoff.

Im Prominentenlokal nimmt eine Schauspielerin Platz, ein paar Millionen von Fernsehzuschauern ist sie bekannt geworden durch eine Familienserie, in der sie eine emanzipierte Tochter und selbständige junge Frau mimte. Auf dem Ärmel ihres Pullovers sind die Embleme eines Drei-Sterne-Generals und der US-Army appliziert.

An der Tankstelle steht ein Jeep, aus dem eine Schar Teens und Twens herausspringt. Es ist nicht irgendeines von den kastenförmigen Autos im Landroverstil, sondern ein veritabler Jeep.

Vor der Boutique schaukeln friedlich im Sommerwind ein paar Uniformjacken, auch sie echte Antiquitäten, der GI-Name, der Schweiß und Reinigung überdauert hat und auf dem eingenähten Etikett noch gut zu lesen ist, bürgt dafür. Echt, wenn auch aus anderen Armeebeständen, ist auch das Essengeschirr, das im Schaufenster steht, wohingegen der Gürtel aus Patronenhülsen, der malerisch darumherum garniert ist, deutlich Spuren von Neuanfertigung trägt. Auch jene halbhohen, geschnürten Stiefel kann man hier bekommen, die gleich nach Kriegsende schon einmal so en vogue waren – wie diese Rußland-Heimkehrer doch ihrer Zeit voraushumpelten.

Man nennt das alles, so steht es in Mode- und anderen Journalen, den Military-Look.

Mode, so schreibt die neue Brockhaus-Enzyklopädie, steht in Relation zu "Kultur, Zivilisation und Lebensweise einer Epoche", ihr "unterliegen veränderliche, aus Nachahmung oder Anpassung-(szwang) hervorgehende, meist äußerliche, oft freiheitsbezogene Verhaltensweisen". Die Uniform wiederum, so steht es im alten Brockhaus (die Enzyklopädie ist noch nicht bis zum Buchstaben U gediehen), bringt "auch die politischen, sozialen und kulturellen Zustände der Zeit zum Ausdruck".

Versteht sich: Wir sind alle gegen den Krieg. Der Kommentar zum Stichwort "zynisch" ist bei den Brockhaus-Enzyklopädisten hoffentlich noch nicht in Satz gegangen. Petra Kipphoff