Das blutige „Millionenspiel“ von München brachte es an den Tag: Die Bundesdeutschen sind ein Volk von Stammtisch-Detektiven, Kommissaren und XY-Fahndern. Jeder wußte Ratschläge, was man besser hätte tun sollen und bessermachen können bei dem Versuch, die Bankräuber in der Prinzregentenstraße dingfest zu machen. Sie reichten von Gift ins „Käfer“-Essen bis zur Herbeizitierung von amerikanischen FBI-Schützen.

Es ist recht müßig, im Nachhinein zu spekulieren, was gewesen wäre, wenn... Die johlenden Zuschauer, die Blitzlichter der Photographen, die Oktoberfeststimmung jenes Abends vor der Deutschen Bank, bei der offensichtlich eine Fortsetzung der „Tatortserie“ inszeniert wurde – all dies war wenig dazu angetan, sich die schaurige Wirklichkeit bewußt werden zu lassen. Überdies: die Planung, die wirklich alle Eventualitäten einschließt, muß erst noch erfunden werden. Bankräuber handeln eben nicht so logisch wie Schachspieler. Deshalb ist es allzu billig, einfach die Polizei für den Tod der Geisel verantwortlich zu machen.

Und doch waren die Schüsse von München eine Lektion. Sie zeigten, wie provinziell unsere polizeiliche Abwehr agiert, wie wenig sie sich auf das heutige Verbrechertum eingestellt hat. Ob nun ein zentraler Krisenstab, wie er bei manchen Behörden besteht, die Lösung ist oder die Aufstellung einer beweglichen „Feuerwehr“, die dem Bundeskriminalamt unterstellt wird, das müssen sich die Polizeichefs überlegen. Es wäre allerdings fatal, führten die Schüsse von München zu der Forderung, die rechtlichen Vorschriften zur Verbrechensbekämpfung zu verschärfen. Sie reichen aus. Woran es fehlt, ist die personelle und technische Ausrüstung der Verbrecherbekämpfer, der Polizei. Hier Lücken zu schließen sollte ein leichtes sein. Für hysterisches Geschrei gibt es keinen Grund. (Siehe auch Seite 4 und 15) H. v. K.