Die Dollarkrise hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Verschärft wurde sie durch die Forderung des Unterausschusses für Währung im Vereinigten Wirtschaftsausschuß des amerikanischen Kongresses. Er wünscht eine Neufestsetzung der Währungsparitäten zwischen den Hauptindustriestaaten. Nur dann – so der Ausschußvorsitzende Henry Reuss – kann noch eine weltweite Währungskrise vermieden werden.

Das amerikanische Finanzministerium hat auf diese Forderung sofort kühl reagiert. Die Regierung habe nicht die Absicht, eine Änderung der Wechselkurse zu diskutieren, auch nicht im Internationalen Währungsfonds (IWF). Doch im Gegensatz zu früheren Dementis in gleicher Sache wurden damit die Zweifel nicht beseitigt, ob die USA nicht doch gezwungen sein könnten, die Parität des Dollars gegenüber dem Gold neu festzusetzen. Das würde auf eine Dollarabwertung hinauslaufen.

Tatsächlich steht der Dollar auf sehr schwachen Füßen. Die Währungsreserven der USA haben den niedrigsten Stand seit 1938 erreicht. Ende Juni verfügten die USA noch über 10,5 Milliarden Dollar Gold, davon gehören dem IWF aber mehr als eine halbe Milliarde Dollar. In der vergangenen Woche haben die Franzosen von den USA für 191 Millionen Dollar Gold gekauft, im Mai für 282 Millionen Gold aus Fort Knox abgezogen.

Ein Schock für die internationale Finanzwelt war die Nachricht, daß die amerikanische Handelsbilanz wahrscheinlich 1971 mit einem Passivsaldo abschließen wird. Das wäre das erste Mal in diesem Jahrhundert. Der Kongreßabgeordnete Mills hat deshalb vorgeschlagen, auf die Einfuhr in die USA eine Importsteuer zu erheben und auf den Export Steuerrückvergütungen zu gewähren. Das käme einer verkappten Abwertung des Do- – lars gleich und könnte einen Handelskrieg mit der EWG und Japan auslösen.

Die Diskussionen um die Zukunft des Dollars haben die internationalen Devisenströme in Bewegung gebracht. In der Bundesrepublik, in den Niederlanden und in Kanada bieten: freie Wechselkurse einen gewissen Schutz gegen den Zustrom unerwünschter, Dollars. Die Folge: Seit dem 9.Mai, dem Beginn des Floating, ist der Wert, der Mark gegenüber dem Dollar um ca. 7 Prozent gestiegen.

In diesem Zusammenhang wird Kritik an der Bundesbank geübt. Sie hätte die Chance, vom 10. Mai bis Anfang Juni zu „guten“ Dollarkursen ihre Währungsbestände durch Dollarverkäufe zu vermindern, nicht genutzt und erst im Juni damit begonnen, durch Beteiligung am Devisenkassahandel einen Teil der spekulativen Dollarbestände (7,8 Milliarden. Dollar) ins Ausland abfließen zu lassen Im Juli erhöhte sich der Stand der Währungsreserven infolge fällig gewordener Terminkontrakte sogar wieder um 1,9 auf 62,8 Milliarden Dollar. Die Bundesbank, so wird gesagt, habe mit ihrer zögernden Haltung den anderen Notenbanken. Zeit zum Aufbau von Dämmen gegen die Dollarflut gegeben und den eigenen Vorsprung im Kampf um den Dollarabfluß verschenkt.

Die Franzosen haben gegen den Dollarzustrom dirigistische Schranken aufgebaut. Die Ausländerkonvertibilität ist eingeschränkt worden, ohne daß Franc-Käufe für den Warenverkehr, für Dienstleistungen und Investitionen sowie für den Kauf von Wertpapieren betroffen sind. In Paris streitet man nicht ab, daß auch der Franc gegenüber dem Dollar unterbewertet ist, aber man sieht in dem jetzigen Wechselkurs eine „Inflationsreserve“ zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit.