Fragen nach dem Münchner Feuergefecht

Von Sepp Binder

Nach dem Feuergefecht auf der Münchner Prinzregentenstraße sind Polizeiführung und Staatsanwaltschaft ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Umstritten sind der Schießbefehl an die Polizei und die Schießkünste der Beamten; angezweifelt werden die Führungsqualitäten der Einsatzleiter; fraglich ist, ob Polizisten auf eine derartige Situation, wie sie in München zu bewältigen war, überhaupt psychologisch vorbereitet werden.

Der Feuerhagel von München hat Zweifel an der Besonnenheit und Zuverlässigkeit der Polizei laut werden lassen. Rund zweihundert Schüsse wurden innerhalb weniger Sekunden abgegeben. Es grenzt an ein Wunder, daß sie nur zwei Menschen töteten und niemanden in der gaffenden Menge trafen. War die Schießfreudigkeit der Polizei Ausdruck der Angst? Wurden mit dem Finger am Abzug die Frustrationen einer siebenstündigen Streßsituation abreagiert?

Genügend schlechte Beispiele

Beispiele für schlecht gezieltes und überhastetes Schießen von Polizisten hat es in der letzten Zeit zur Genüge gegeben:

  • In St. Georgen wurde ein Mann durch Kopfschuß von einem Polizisten getötet, als er gerade aus seinem Schlafzimmerfenster blickte. Die Polizei war auf der Jagd nach einem Amokschützen, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Nachbarhaus erschossen hatte.
  • In Mülheim zielte ein Polizist auf die Beine, eines Einbrechers. Er traf ihn tödlich in den Bauch.
  • In Berlin wurde im Januar ein Tankwart durch Genickschuß getötet. Vor Gericht verteidigte sich der Polizeimeister: „Ich muß zu der Zeit wohl sehr aufgeregt gewesen sein, denn das erste Durchladen meiner Pistole klappte nicht. An den Augenblick der Abgabe meines Schusses habe ich keine klare Erinnerung. Es muß alles unheimlich schnell gegangen sein.“
  • Der jugoslawische Arbeiter Josip Putra würde in München durch Bauchschuß getötet. Die Polizei sprach anschließend von einem „tragischen Versehen“.