Der Filmemacher Klaus Wildenhahn, seit seinem Gastarbeiterstreifen „In der Fremde“ weithin bekannt und geachtet, wollte einen Bericht über die „Schwierigkeiten des Journalisten und die Widersprüche des Zeitungsmachens“ drehen, Sein Vorhaben brachte den Regisseur selber in Schwierigkeiten.

Neun Wochen lang machte Wildenhahn Aufnahmen in den Redaktionsräumen der Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel und kurbelte Filme ab, die für 40 Sendestunden ausgereicht hätten. Aus den Vorlagen schnitt er einen 90-Minuten-Film; gesendet wurden am Dienstagabend vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) freilich nur 78 Minuten: Wildenhahn hatte zusätzlich zwölf Minuten herausschneiden müssen, da der Herausgeber des Tagesspiegel, Franz Karl Maier, eine einstweilige Verfügung gegen den NDR und den Bericht erwirkte.

Denn die Berliner Zeitungsjournalisten waren nicht einverstanden mit dem, was der Filmemacher über sie verbreiten wollte. Herausgeber Maier glaubte, seinem Blatt werde „unsaubere journalistische Arbeit“ vorgeworfen, und der Tagesspiegel-Justitiar Lothar C. Poll meinte, „die wertende Kommentierung stimmt zum Teil nicht“. Der Beitrag, der daraufhin kurzfristig vom Programm abgesetzt werden sollte, konnte dennoch termingerecht gesendet werden, weil Wildenhahn den Schwierigkeiten aus dem Weg ging, in einen Vergleich einwilligte und kürzte.

Welche Szenen er opferte, mag der Regisseur nicht sagen; er fühlt sich an die Vergleichsvereinbarungen gebunden. Seine Kontrahenten in Berlin sind gesprächiger; sie fühlen sich „aufs Kreuz gelegt“, wie einer von ihnen erklärt. Und das – so scheint es – zu Recht. Denn Wildenhahn hatte der politischen Redaktion in der ungekürzten Fassung seines Berichts vorgeworfen, sie habe nicht umfassend genug und deshalb einseitig über die Ziele der palästinensischen Befreiungsbewegung berichtet, nur Material gegen, aber nicht auch für die Palästinenser veröffentlicht.

Als Wildenhahn den Tagesspiegel-Journalisten seinen Film vorspielte – so hatte er es zuvor mit ihnen abgesprochen –, setzten sich die Redakteure gegen die Anschuldigung, sie hätten Nachrichten manipuliert, zur Wehr. Sie präsentierten dem Regisseur eine Dokumentation, die das Gegenteil belegen sollte. Wildenhahn ließ sich durch das Material jedoch nicht überzeugen und war erst im juristischen Vergleich bereit, den ganzen Komplex herauszuschneiden.

Nun dokumentiert sein Film nicht mehr, wovon der Regisseur überzeugt ist: daß in der Tagesspiegel-Redaktion „eine absolut frühkapitalistische Ordnung und eine starke hierarchische Struktur“ herrschen und daß der Herausgeber Maier „unbedingt ein Autokrat“ sei. Immerhin zeigen auch die restlichen 78 Minuten noch genug und bieten dem Bürger vor dem Fernsehschirm, wo er täglich Nachrichten in Wort und Bild konsumiert, einen Einblick in journalistische Arbeit, wie sie für viele Redaktionen charakteristisch ist.

Da ist der Herausgeber, der seinem Ressortleiter Nachhilfeunterricht in Journalismus erteilt, eine Lektion, die dieser an dem Volonteur weiterexerziert; da ist die Abhängigkeit der Redaktion von den Anzeigen, die Vorrang haben, weil sie die Existenz der Zeitung garantieren; da ist das spannungsreiche Verhältnis der Redakteure zu den Metteuren, die das geistige Produkt des Journalisten in ganz banales Blei umsetzen und doch so wichtig sind, weil ohne sie keine Zeitung gemacht werden könnte; da ist schließlich der Chef vom Dienst, verantwortlich dafür, daß das Blatt rechtzeitig fertig wird und deshalb autoritärem Gebaren nicht abgeneigt: „Ich brauche nicht zu diskutieren“, so sagt er im Film.