Oppositionsführer Wilson sprach aus, was sein Publikum von ihm erwartete: „Die gesamte britische Arbeiterbewegung steht hinter euch“, versicherte er den von Massenentlassungen bedrohten Werftarbeitern der schottischen Schiffsbauer Upper Clyde Shipbuilders (UCS) am oberen Clyde-Fluß in der Nähe Glasgows. Danach gab er seinen Plan bekannt, wie seiner Überzeugung nach die bankrotte Werftgruppe vor ihrer Liquidierung bewahrt werden kann: mit Hilfe einer Fünf-Jahres-Garantie der Regierung, die Arbeitskapital und Investitionen bereitstellt und Aufträge für standardisierte, gleichsam „auf Lager“ gebaute Schiffe gibt.

Kein Wunder, daß Wilson. mit diesem – im Unterhaus wiederholten – Vorschlag Industrie- und Handelsminister Davies die Butter vom Brot stahl. Denn Davies gilt den schottischen Werftarbeitern als der „Schlächter“, der im Namen der konservativen Heath-Regierung den Viererbund halbieren will. Wilson weckte, dagegen Hoffnungen, die Davies – tags zuvor – nicht anzubieten hatte: Statt sich in die Schlangen der 134 500 schottischen Arbeitslosen (6,2 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung) einreihen zu müssen, hätten nach dem Wilson-Plan alle Werftarbeiter die Aussicht, ihren Arbeitsplatz zu behalten.

Nach Regierungsabsichten dagegen werden von den 8500 UCS-Angestellten und -Arbeitern 6000 auf die Straße geschickt, zwei der vier Werften in Clydebank und Scotstoun stillgelegt, darunter die berühmte Werft John Brown, die die Luxusschiffe Queen Elizabeth I und II baute. Und John Brown ist für Schottland, was Rolls-Royce für England ist. Lediglich die Fairfield-Werft und das Stahlwerk Linthouse und damit Arbeitsplätze für 2500 Schotten sollen erhalten bleiben.

„Sanierung“ und „Gesundschrumpfen“ nennt die Regierung das, gestützt auf einen Expertenbericht von „vier Weisen“. Als „Abschlachtung“ und „Barbarei“ bezeichnet dagegen die Opposition, vor allem aber Gewerkschaftsobmann James Reid diese Operation. Von dieser Überzeugung ließ sich auch der Stadtrat von Clydebank nach stundenlangen Unterredungen mit Davies nicht abbringen. Im Gegenteil: „Davies setzte unseren Forderungen nichts als Geschwafel entgegen“, konstatierte Reid bitter.

Zusammen mit James Airlie ist Reid die treibende Kraft in der Arbeiter-Widerstandsfront. Als Chefstratege plante er die „Übernahme“ der Werftanlagen, die, durch Weiterarbeit an den angefangenen und bestellten Schiffen, nichts weiter als eine Demonstration des „Rechts auf Arbeit“, vor allem aber ein in der Öffentlichkeit widerhallender Protest gegen die Regierungsentscheidung sein soll.

Genau darum geht es den beiden – obwohl sie Kommunisten sind, obwohl die kommunistische Partei in dieser Gruppe recht stark ist. Jedoch: „Wir sind uns allzeit bewußt, daß wir als Kommunisten besonders beobachtet werden und deshalb bessere Arbeit als die anderen leisten müssen“, erkennt Airlie. Für die UCS-„Besetzung“ („Wir sind keine fremde Besatzungsmacht“) bedeutet das: keine Schaffung von „Work-in-Kommunen“, keine Gründung einer „industriellen Demokratie“. Airlie und Reid wissen, daß dazu mehr als die Pro-forma-Übernahme der Kontrolle und die Einsetzung von „Führungsausschüssen“ gehört. Dazu muß auch die Macht vorhanden sein, beides in der Praxis wirksam ausüben zu können.

Davon kann jedoch keine Rede sein. Die Arbeiter können da noch so lange die Werkstore besetzen und entscheiden, wer auf das Werksgelände darf und wer nicht. An den Schalthebeln der Macht sitzen die Regierung – und der Konkursverwalter. Sie beschließen über die Zukunft des Unternehmens. Den Arbeitern bleibt nur das „Work-in“ als Antwort. Sie ist – wie die sozialistische Wochenschrift New Statesman erkennt – freilich kaum mehr als „ein wirkungsvolles Theaterstück“. Ein Schauspiel, in dem durch die Solidarität der Arbeiter, der Angestellten und Manager die Öffentlichkeit beeindruckt und die Regierung zu Konzessionen gezwungen werden sollen.