Es ist ein altes Leid – deutsche Unternehmerwerden von ihren Mitmenschen allzu leicht verkannt, und von einer übelwollenden Presse statt mit Lob und Anerkennung manchmal gar mit Kritik bedacht. Deshalb ist es um so erfreulicher, daß manche von ihnen sich eine eigene Werkzeitschrift leisten können, Der Chef kann sich selber aussuchen, wer über ihn schreibt. Verständlich, daß er dann nach einem wirklich gebildeten Autor Ausschau hält, der es versteht, den Menschen im Unternehmer zu sehen und ins rechte Licht zu rücken. Aus Mainz, der Stadt, die der Welt schon den gleichnamigen Käse schenkte, kommt dafür ein besonders gelungenes Beispiel.

  • Dem Hersteller samtweichen Klo-Papiers und Inhaber der Hakle-Werke, Hans Klenk, ist es gelungen, für diesen Zweck und aus Anlaß seines 65. Geburtstages einen richtigen Professor zu gewinnen, den Professor. Dr.Hellmut Georg Isele von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz.In Klenks Hauszeitschrift „Die Rolle“ fand Isele die rechten Worte, um zur Erbauung der Hakle-Belegschaft die Persönlichkeit des Unternehmers, Generalkonsuls und Senators Hans Klenk zu würdigen.

Dem scharfen Blick des Wissenschaftlers ist denn auch nicht entgangen, „was an Kraft, Wärme, Hilfsbereitschaft und vom Persönlichen“ des Generalkonsuls ausgeht. In seiner „Ovation für Hans Klenk“ bescheinigt der Professor dem „tatkräftigen und erfolgreichen Unternehmer“, daß er „auf seine Leistung stolz sein darf“. Denn in Mainz, wo Gutenberg einst entdeckte, wie man Papier mit Druckerschwärze einfärben kann, gründete Hans Klenk Ende der zwanziger Jahre eine Fabrik, die Papier für eine ganz andere Art des Endverbrauchs auf den Markt wirft.

Schon die Arbeitsfront, Hitlers Staatsgewerkschaft, würdigte diese Leistung durch die Verleihung der „Goldenen Fahne“. Feinsinnig, wie es bei Professoren die Art ist, weiß auch Hellmut Georg Isele diesen Lebensabschnitt in seine Ovation einzuordnen: „Im Rückblick auf ein allzeit tätiges Leben im stürmischen Wechsel der Zeiten gilt das Menschliche noch mehr als das Werk.“ Das Leben hat eben so manches gemeinsam mit den Produkten des Hans Klenk, von denen es in der Werbung heißt: „Hakle hat die Eigenart – die eine Seite rauh, die andere zart.“

Den Sinn fürs Menschliche und Allzumenschliche beweist Hans Klenk nicht allein mit seinem darauf abgestimmten Produktionsprogramm. Es gelang ihm nach dem Zeugnis des Professors nicht nur, sich diesseits und „jenseits der Landesgrenzen umzusehen und sich dort durch Umsicht und Tüchtigkeit zu bewähren“, sondern auch „den angeborenen Humor zu entfalten, die Neigung auch zum Musischen und Heiteren zu entwickeln“. Hochachtung packt den Leser, wenn Klenks „unermüdliche Schaffensfreude, sein immenser Fleiß, seineUmtriebigkeit, seine Genauigkeit im Planen, Tüfteln und Erproben“ gepriesen werden. Man hat es direkt vor Augen, wie Klenk die rauhe und die zarte Seite seiner Produkte erprobt, ehe er sie auf den Weg, zum Kunden schickt. Dabei sind ihm die von Isele bescheinigte „Zähigkeit auch im Durchhalten auf schwierigen Wegstrecken, seine scharfe, immer präsente Intelligenz“ sicher eine besondere Hilfe.

Wenn solch ein Mann nach professoralem Zeugnis auch noch „Bürgersinn in hervorragender Weise erwiesen“ hat, sich „ebenso uneigennützig wie aktiv mit glänzendem Erfolg auch für wissenschaftliche Institutionen eingesetzt“ hat und dabei noch „Liebenswürdigkeit des Herzens besitzt“ und „von Herzen froh sein“ kann, dann fragt man sich besorgt, warum solch hervorragende Männer nur in ihren eigenen Hauszeitschriften gebührend gewürdigt werden. Hat nicht auch die breite Öffentlichkeit und vor allem die Jugend, der es doch nach verbreiteter Ansicht an Vorbildern mangelt, ein Recht darauf, zu solchen Persönlichkeiten aufblicken zu dürfen? Zumal wenn es ein Mensch ist, der es „versteht, Menschen zu ermuntern und Menschen zu erfreuen“, dessen „Liebenswürdigkeit des Herzens ihn seinen Freunden besonders liebenswert macht“.

Dem Professor Isele jedenfalls kann man nur zustimmen, wenn er in der „Rolle“ diesem Hans Klenk, der sich um so manchen stillen Ort in Deutschland verdient gemacht hat, „weiterhin günstigen“ Wind und gute Fahrt“ wünscht. Ob das Papier, auf dem solche und ähnliche „Mitarbeiterinformationen“ im Werkzeitschriften gedruckt sind, nicht lieber gleich in Form einer Rolle verarbeitet werden sollte, ist eine andere Frage.

Michael Jungblut