Fernsehen

ZDF, Freitag, 30. Juli, bis Sonnabend, 7. August: "Apollo 15"

Seit Irvin und Scott zu nachtschlafender mitteleuropäischer Abendstunde auf dem Mond gelandet waren, berichtete das ZDF über das Unternehmen Apollo 15. Heinrich Schiemann und Ehrenfried Klauer erläuterten das Mondgeschehen, während auf dem Bildschirm in Trickfilmen die Weltraumwirklichkeit simuliert wurde. Dem Zuschauer wurde in der ersten Sendung durchaus nicht gesagt, daß er keine direkten Bilder vom Mond bekommen werde. Offenbar glaubte Schiemann auf eine solche Information versuchten zu können.

Das ist symptomatisch für den Mainzer Weltraumjournalismus. Als die Mondkamera zum Beispiel zeigte, wie Scott und Irvin die Fähre entluden, wollte Schiemann mit einem Male das Originalbild wegschalten, mit der Bemerkung, er wolle nun einmal an der Studionachbildung demonstrieren, was auf dem Mond jetzt vor sich gehe. So, als ob man ja an der Nachbildung viel genauer sehen könne, was oben passiert.

In gewisser Weise ist das sogar richtig: natürlich sieht man im Studio besser. Und tatsächlich ist das, was ausgeladen wird, für den Zuschauer nicht zu unterscheiden von dem, was auf dem Mond ausgeladen wird. Nur: auf dem Mond wird das Zeug eben wirklich ausgeladen, während es zwar auch im Studio wirklich ausgeladen wird, aber doch nur, weil – es auf dem Mond ausgeladen wird, Wäre die Studiosimulation perfekt, so wäre der Unterschied zwischen ihr und der Mondrealität lediglich ein gewußter; dies Gewußte nun vor Augen zu bringen, aus Wissen Sehen zu machen: genau das ist der Sinn der aktuellen Bildschirmberichterstattung – und genau diesen Sinn verfehlte Schiemann immer wieder.

Er verwechselte fortwährend die Wirklichkeit mit seinem Studio. Für ihn ist die Wirklichkeit das Studio, und das Geschehen auf dem Mond ist nur eine Illustration dazu. Das Indiz des Wirklichen ist für ihn: klare Erkennbarkeit auf dem Bildschirm; etwas ist wirklicher als etwas anderes, wenn es sichtbarer ist: mediengerechter. Zwei- oder dreimal kam es vor, daß Schiemann von seinen Mitarbeitern daran erinnert werden mußte, das, wohl die Bilder, vom Mond doch den Vorrang hätten vor dem Studiogerümpel.

Die humorlose Verdrehtheit, mit der Schiemann seine Berichterstattung betreibt, zeigte sich, einmal entdeckt, überall. Schiemann hat sich dermaßen in seinen sozusagen lunaren Wahnsinn hinein isoliert, daß es ihm unmöglich geworden ist, das Berichtenswürdige noch irgendwie von dem zu unterscheiden, was keiner wissen muß und wissen will; ebenfalls sieht Schiemann nicht mehr, was der Zuschauer schon weiß und was neu für ihn ist. Sprachlich drückte sich das in der immer wiederkehrenden Formel aus: es ist vielleicht ganz interessant.. Es ist vielleicht ganz interessant zu bemerken, daß auf dem Mond alles viel leichter ist als auf der Erde – immer wieder kam Schiemann ganz nahe an diesen Satz heran.