DIE ZEIT

Die Lektion von München

Das blutige „Millionenspiel“ von München brachte es an den Tag: Die Bundesdeutschen sind ein Volk von Stammtisch-Detektiven, Kommissaren und XY-Fahndern.

Zwei Tage im August

Manche Leute finden diese Reihenfolge pervers. Wenn es nach ihnen ginge, dann müßte die Mauer das Ende der Welt bedeuten: Was jenseits von ihr geschieht, das ginge uns dann nichts an.

Kein Statist

Gustav Heinemann, dem Kritik von rechts nicht ungewohnt ist, hat sich jetzt des Tadels von links zu erwehren. Der Bundespräsident wird – wie viele andere Staatsoberhäupter – auf Einladung des Schahs an der 2500-Jahr-Feier des Perserreiches teilnehmen.

Politik auf Wanderdünen

Ein Jahr nach dem Waffenstillstand am Suezkanal bietet der Vordere Orient ein Bild der Verworrenheit. In der Flut der Erscheinungen gibt es derzeit nur zwei feststehende Tatsachen: Das arabische Lager wird von akuten inneren Erschütterungen heimgesucht, und das arabisch-sowjetische Verhältnis ist einer schweren Belastung unterworfen.

Politische Ehen

Die Frau des Bundesministers für Wirtschaft und Finanzen ist trotz ihrer Heirat Beamtin im Finanzministerium Nordrhein-Westfalens geblieben.

ZEITSPIEGEL

Trotz heftigster Beteuerung, an dem Gerücht sei nichts, aber auch nichts dran, glauben informierte Kreise in Washington, daß Präsident Nixon möglicherweise den Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschusses im US-Senat und Kritiker seiner Indochinapolitik, William Fulbright, zum Botschafter in Peking ernennen will, falls die USA und die Volksrepublik China diplomatische Beziehungen aufnehmen.

Feuer und Tod im Jubeljahr

Ulster ’71“ hatten sie das Jahr nennen wollen, die heillosen Optimisten – oder fahrlässig Naiven – in der Belfaster Regierung.

Reform zurück

Portugals Regierung bewegt sich nach dem Muster der Echternacher Springprozession: einen Schritt vor, zwei zurück. Brachte das kürzlich beschlossene Gesetz über die Religionsfreiheit zumindest minimale Fortschritte, so verabschiedete die Nationalversammlung nun ein Pressegesetz, das liberal im Anstrich, aber reaktionär im Kern ist.

Wahlen auf vietnamesisch

Amerikas Diplomaten in Saigon fühlen sich mißverstanden. Sie hatten dem südvietnamesischen Präsidenten Van Thieu den Wunsch ihrer Regierung nahegebracht, aus den Wahlen am 3.

Wolf gang Ebert:: Ausgebucht

Welcher Trend zeichnet sich für die Herbstsaison ab? fragte ich Mr. Shruvel, den Chef der Interdiplo, in dessen Reise-Büro gerade Hochbetrieb herrscht.

Die Polizei schießt zuwenig

Nach dem Feuergefecht auf der Münchner Prinzregentenstraße sind Polizeiführung und Staatsanwaltschaft ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

Asien in Bewegung

Eine Million Inder strömten durch die Straßen Neu-Delhis, um an einer Großkundgebung teilzunehmen, auf der für ein unabhängiges Ostpakistan demonstriert werden sollte.

Keine Zitadelle der Staatsraison?

Der ranghöchste Beamte des Auswärtigen Amtes, Staatssekretär Paul Frank, brach mit den geheiligten Traditionen deutscher Diplomatie.

Wermutstropfen für die Rest-Efta

Die Absorptionsfähigkeit der Europäischen Gemeinschaft wird in der nächsten Zeit auf harte Proben gestellt. Es gilt nicht nur, den Beitritt Großbritanniens zu verkraften und die Integration der drei anderen beitrittswilligen Staaten einzuleiten, parallel dazu muß auch noch der Rahmen für eine Zusammenarbeit mit den sechs Mitgliedern der "Rumpf-Efta" geschaffen werden.

Die Schüsse von München: Chicago und Oktoberfest

Der Himmel war wolkenlos über München, die Stimmung noch ein bißchen nach Blei. Von einem Balkon des Hauses Nr. 74 plärrte ein Lautsprecher den Hit der Woche „Chirpy Chirpy Cheap Cheap“, während wenige Meter entfernt vier Scharfschützen aus einem Sanitätswagen kletterten.

Mit Bleistift oder in Öl?

Was die Schönheit sei, das wisse er nicht, hatte Albrecht Dürer der Nachwelt hinterlassen. Die Nürnberger Albrecht-Dürer-Gesellschaft scheint es im Jahr des 500.

CDU-Abtrünnige: Das Häuflein der 17

Vorschriftsmäßig per Einschreiben teilten 17 Mitglieder am Montag dieser Woche der Hamburger CDU ihren Parteiaustritt mit. Die Begründung mußte die Partei Presseberichten entnehmen.

Schlamm-Schlampereien

Alles läutet verzweifelt die Alarmglocke und sucht nach einer Notbremse. Der Grund: Die Giftaffäre in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, bei der einige tausend Tonnen arsenhaltigen Schlamms auf öffentlichen Müllhalden aufgespürt wurden, enthüllen nicht nur behördlichen Schlamassel, sondern vor allem das Dilemma in der Gesetzgebung und Rechtsprechung.

Streiter für den Frieden

In der Bundesrepublik beginnt die deutsche Friedensbewegung soeben erst Gegenstand historischer Forschungen zu werden. Während zum Beispiel mit den noch unveröffentlichten Arbeiten der Amerikaner Roger B.

Romantiker und Revolutionär

In Ost und West ist es üblich, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg meist zusammen zu nennen – als radikale Internationalisten, als revolutionäre Marxisten und als die Begründer der KPD.

Mexiko 71

Mexico City hat für Besucher nichts von der Anziehungskraft früherer Jahre verloren. Im Gegenteil: Die Erinnerung an die heitergelöste Atmosphäre bei den Olympischen Spielen (die man sich für München so wünscht) und an die hektisch-turbulenten Tage der Fußballweltmeisterschaft lassen diese Stadt eher noch liebenswerter erscheinen.

Banküberfall in München: Blutiger Ausgang

Ein blutiges Ende fand am vergangenen Mittwoch ein Banküberfall in München. Ein Bankräuber und eine Geisel, der 34jährige Hans Georg Rammelmayr und die knapp 20jährige Bankangestellte Ingrid Reppel, wurden dabei erschossen.

Dokumente der ZEIT

„Berichten aus Washington zufolge hat Außenminister Rogers eine Erklärung über die chinesische Vertretung in den Vereinten Nationen abgegeben, in der er das berüchtigte ‚Zwei-China’-Komplott auftischt.

Berlin-Gespräche: Ende in Sicht?

Am Dienstag traten die Botschafter der vier Schutzmächte für Berlin zu ihrem 27. Gespräch zusammen. Es wird erwartet, daß damit eine Serie von Abschlußverhandlungen über eine Berlinregelung eingeleitet wird.

Rumänien unter Druck

Die Prawda nannte es ein „Ereignis von großer internationaler Bedeutung“, das erneut die Nützlichkeit der Tradition bewiesen habe, wichtige Fragen der Weltpolitik gemeinsam zu behandeln.

Abrüstungskonferenz: Einig über B-Waffen

Die Einigung vom April zeigte in der vergangenen Woche erste Früchte: Auf der Genfer Abrüstungskonferenz legten die USA und die Sowjetunion einen achtseitigen, im Wortlaut identischen Vertragsentwurf über ein „Verbot der Verwendung, Entwicklung, Herstellung und Lagerung biologischer Waffen“ vor.

In Chile klären sich die Fronten

Chiles Parteienlandschaft ist in Bewegung geraten. Nach einer Spaltung der größten Oppositionspartei und einem Zwist in der aus sechs Parteien bestehenden Regierungskoalition zeichnet sich eine neue Polarisierung ab, der die Mitte zum Opfer fällt – wobei die Mitte freilich, mit Bonner Maßstäben gemessen, links der SPD zu suchen ist.

Krisen-Herde: „Wahlfarce“

Die USA hatten in der vergangenen Woche die geringste Verlustzahl seit 1965. Mit dem Abzug von 1200 Mann Fallschirmtruppen ist die Zahl der GIs unter 220 000 gesunken.

Unruhen erschüttern Ulster

Achtzehn Menschenleben, über 200 verwundete Zivilisten und Soldaten, mehr als 100 abgebrannte Häuser, fünf zerstörte Fabriken und ein nicht abzuschätzender Sachschaden – das ist die traurige Bilanz der bisher schwersten und blutigsten Unruhen, die Nordirland zu Wochenbeginn erschütterten.

Tausch’ schau wem

Die Sache kam kleckerweise heraus, und als das Gekleckere einen veritablen Klecks ergab, da war er auch schon wieder beseitigt.

Was bleiben sollte

Täusche ich mich? Außerhalb der Mauern unserer Universitäten ist es ziemlich still geworden. Die Revolution hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Schwierigkeiten mit Sein oder Nichtsein

Am 16. August wird der Shakespeare-Übersetzer Rudolf Schaller, Schwerin, achtzig Jahre alt. Das ist Anlaß, auf ein Werk zurückzublicken, das gerade im letzten Jahrzehnt in Deutschland hüben wie drüben zunehmend Beachtung gefunden hat.

Ludwig Marcuse

Kurz vor Redaktionsschluß erreichte uns die Nachricht vom Tode unseres Freundes und langjährigen Mitarbeiters Ludwig Marcuse.

Im Zielfernrohr der Kameras

Nicht nur das Zielfernrohr des Scharfschützen war auf den Bankräuber gerichtet. Auch Photographen, Schmalfilmamateure, Kameramänner des Fernsehens hatten ihn im Visier.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Daß die Programmstrategen des Zehn-Mark-Repertoires nicht lediglich ausgediente Aufnahmen höherer Preisklassen neu eintüten können, demonstriert man bei Heliodor.

ZEITMOSAIK

Ich habe die Überzeugung, daß die Ereignisse sich nicht mehr ereignen, sondern daß die Klischees selbsttätig fortarbeiten. Oder wenn die Ereignisse, ohne durch die Klischees abgeschreckt zu werden, sich dennoch ereignen sollten, so werden die Ereignisse aufhören, wenn die Klischees zertrümmert sein werden.

Ein Medium durch die Brille eines anderen

Der Filmemacher Klaus Wildenhahn, seit seinem Gastarbeiterstreifen „In der Fremde“ weithin bekannt und geachtet, wollte einen Bericht über die „Schwierigkeiten des Journalisten und die Widersprüche des Zeitungsmachens“ drehen, Sein Vorhaben brachte den Regisseur selber in Schwierigkeiten.

Kunstkalender

Die erste Großausstellung seit sieben Jahren, seit Wieland Schmied Vasarely in der Kestner-Gesellschaft präsentierte. Inzwischen haben nicht nur sein Marktwert, sondern sowohl rückhaltlose Bewunderung wie Skepsis und Kritik an seiner Arbeit erheblich zugenommen.

Der doppelte Rouault

Stille Tage in Paris, Paris im August, an einem Sonntag. Unheimlich, eine tote Stadt. Das Deux Magots macht seine Sommerpause, und nebenan im Flor dösen Touristen.

FILMTIPS

„Donald Duck geht in die Luft“, von Walt Disney. „Denkt bloß nicht, daß wir heulen“, von Stanley Kramer. „Spiel dein Spiel und töte, Joe“, von Leopoldo Savola.

Konsonanten als Farbe und Duft

Hier spricht Literaturgeschichte: Zwei Altmeister experimenteller Dichtung rezitieren eigne Texte. Otto Nebel, fast achtzigjährig und wohnhaft in Bern, der eine; Raoul Hausmann, 1886 in Wien geboren und in diesem Jahr im französischen Limoges verstorben, der andere.

Mattscheibenideologie

Beispielsweise gibt doch die Tatsache zu denken, daß ein scheinbar unbestrittenes Tele-Idol wie Kulenkampff, das man geborgen und anerkannt in der Gunst von Millionen wähnt, daß ein solcher Fernsehliebling seufzt: „Das Image des Quizmasters ist ganz, ganz schlecht, es ist so schlimm, daß ein halbwegs gebildeter Mensch das nicht macht.

KRITIK IN KÜRZE

„Odysseus und Penelope“, Roman von Horst Wolfram Geißler. Der kleine Hellas-Handel hat, aus gutem Grund, vor etwa dreißig Jahren üppiger geblüht als heute.

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