Gustav Heinemann, dem Kritik von rechts nicht ungewohnt ist, hat sich jetzt des Tadels von links zu erwehren. Der Bundespräsident wird – wie viele andere Staatsoberhäupter – auf Einladung des Schahs an der 2500-Jahr-Feier des Perserreiches teilnehmen. Und dies verdrießt, ja erzürnt viele, die mit Recht die Meinung vertreten, Persien sei alles andere als das Muster eines demokratischen Rechtsstaates. Zu Unrecht aber folgern sie daraus, so wie es zum Beispiel der Verband Deutscher Studentenschaften in einem Brief an Heinemann getan hat, der Besuch des Bundespräsidenten in Persien bedeute „die Unterstützung der völkerrechtswidrigen Zustände ... durch die Bundesrepublik Deutschland“.

Wenn diplomatische Akte – und auch der Präsidentenbesuch fällt darunter – rein nach den jeweiligen Vorstellungen politischer Moral abgewickelt werden, dürfte weder Präsident Nixon nach Peking fahren, noch hätte Chruschtschow den Kapitalisten in Amerika einen Besuch abstatten können, wäre Brandt nie nach Erfurt gekommen und Stoph nie nach Kassel. Jede Politik, die sich mit der Äußerung guter Gesinnung nicht zufriedengeben, sondern darüber hinaus etwas bewirken will, wäre unmöglich.

Im übrigen ist Heinemann alles andere als ein Jubel-Perser. Als Justizminister hat er 1968 in Teheran freimütige Vorschläge zur Durchsetzung der Menschenrechtskonvention gemacht. Der Präsident reist auch jetzt nicht als diplomatischer Statist nach Persien. R. Z.