„Odysseus und Penelope“, Roman von Horst Wolfram Geißler. Der kleine Hellas-Handel hat, aus gutem Grund, vor etwa dreißig Jahren üppiger geblüht als heute. Doch ganz aufgehört hat er nie – auch das aus gutem Grund. Mythen als Treibstoff und Mythen als Streckmittel – wer sich bei den Alten eindeckt, braucht nicht allzuviel hinzuzustiften. Horst Wolfram Geißler, dessen gutartiger – nun fünfzigjähriger! – Bestseller „Der liebe Augustin“ sich eben – leise, leise – der gewaltigen Auflage von einer Million Exemplaren nähert, hat mit „Odysseus und Penelope“, diesem berühmten Ehepaar, kaum Umstände gemacht. „Glaubst du, daß die jemals einen Putzlumpen in der Hand gehabt hat?“ Penelope spricht von der schönen Helena. Auch jetzt: „Die ist imstand und stiehlt silberne Löffel Ja, diese Frauen, die guten Hausfrauen: mißgünstig und mißtrauisch und neugierig dazu – wenn Penelope nicht gerade den Palast scheuert, will sie herausbekommen, wie das mit Odysseus und den anderen Frauen war. Nicht einmal Göttinnen sind wirklich objektiv. Athene angesichts einer Athene-Statue: „In Wahrheit, scheint mir, bin ich doch ein wenig hübscher Ohne den Beistand Homers war Geißler schon origineller. Und erst Homer ohne Geißler! (Sanssouci Verlag, Zürich; 213 S., 13,80 DM) Christa Rotzoll