Neu in Museen und Galerien:

Köln Bis zum 19. September, Kunsthalle: „Vasarely“

Die erste Großausstellung seit sieben Jahren, seit Wieland Schmied Vasarely in der Kestner-Gesellschaft präsentierte. Inzwischen haben nicht nur sein Marktwert, sondern sowohl rückhaltlose Bewunderung wie Skepsis und Kritik an seiner Arbeit erheblich zugenommen. Die Kölner Ausstellung, mit weit über 200 Arbeiten ein ziemlich lückenloser und systematischer Überblick über die Produktion von 1948 bis 1971, liefert Anhängern und Gegnern starke Argumente. Natürlich kann man ihm Widersprüche, Inkonsequenzen, Irrtümer in jeder Menge nachweisen, Widersprüche zwischen den Zielvorstellungen, die Vasarely nicht müde wird, lautstark in theoretischen Schriften und Interviews zu verkünden, und den Resultaten. Er hat sich wie kein anderer für das Multiple stark gemacht, um mit dessen Hilfe den Teufelskreis des kapitalistischen Kunstmarkts und die elitäre Enge der Kenner und Sammler zu durchbrechen und die Massen zu erreichen. Aber seine Multiples werden immer teurer, die Auflagen bleiben begrenzt, die Serigraphien, die Reliefs, die dreidimensionalen Objekte sind restlos kommerzialisiert und landen bei den Leuten, denen Vasarely sie eigentlich oder angeblich nicht zugedacht hat. Er ist gegen den antiquierten, romantischen Begriff vom Künstler als schöpferischem Individuum zu Feld gezogen, die singuläre Leistung sollte durch die Anonymität des perfekt funktionierenden Apparats ersetzt werden – aber jedes Produkt, das auf mechanisch-industriellem Wege fabriziert wurde, ist ein unverkennbarer, unverwechselbarer Vasarely. Er zielt auf totale optische Veränderung der Umwelt, die er wiederum als Prämisse einer neuen, klassenlosen Gesellschaft verstanden wissen will, und was er wirklich zustande bringt, ist das hochqualifizierte Tafelbild, oder Graphik, oder Kunst am Bau (in Köln sieht man, in Photographien, exzellente Beispiele solcher Arbeiten, vorwiegend für französische, amerikanische und auch deutsche Universitäten, die sich nur im Format und im Material, nicht in ihren formalen Intentionen von den Bildern unterscheiden). Der Mann, der das alles macht oder machen läßt, ist Künstler, auch wenn er sich bescheiden oder arrogant nicht Künstler, sondern „plasticien“ nennen läßt, was man mit „Bildner“ übersetzen kann. Helmut Leppien, der die Ausstellung übersichtlich arrangiert hat, spricht angesichts der Diskrepanz zwischen den programmierten Zielen und den Resultaten seiner Arbeit von einer tragischen Situation. Dem Werk jedoch, das zu den großen individuellen Leistungen dieser Jahrzehnte zählt, ist diese Diskrepanz sehr zustatten gekommen. Gottfried Sello

München Bis zum 19. September, Museum Villa Stuck: „Hommage à Senefelder – Künstlerlithographien aus der Sammlung Felix H. Man“

Felix H. Man – unter diesem Pseudonym ist der gebürtige Freiburger Hans Baumann, Jahrgang 1893, als Photojournalist international bekanntgeworden – beschäftigt sich seit langer Zeit mit dem Edieren zeitgenössischer Graphik und dem Sammeln historischer Belege für die Verwendungsmöglichkeiten von Senefelders Vervielfältigungsverfahren. Mit dem Blick für das Exemplarische hat er seine Aufmerksamkeit solchen Blättern zugewandt, die als individuell verschiedene Resultate des Umgangs mit dieser graphischen Technik repräsentativ sind – vorgeführt wird Kunstgeschichte aus der Perspektive der lithographischen Produktion und zugleich eine Geschichte der Lithographie, vermittelt an Hand der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesem Medium. Besondere Wichtigkeit kommt dabei Mans Raritätenkabinett zu, seiner Sammlung von lithographischen „Inkunabeln“, Ähnlich wie beim Holzschnitt spielte die Erkundung verfahrensspezifischer Gestaltungsmöglichkeiten in der Frühzeit eine untergeordnete Rolle. Senefelders Flachdruckverfahren wurde zunächst als Polyautographie bezeichnet, ein Hinweis darauf, daß es zur graphischen Vervielfältigung der künstlerischen Handschrift diente: Anstatt auf Papier zeichnete man mit Feder oder Kreide auf den Stein. Auf diese Weise ließen sich Unikate in hoher Auflage herstellen, ohne die zeichnerischen Merkmale zu verfälschen. Beispiele dafür sind die 1803 in London erschienenen „Specimens of Polyautography“, von Künstlern wie Benjamin West, Heinrich Füssli und Conrad Gessner gezeichnete Federlithos oder Schinkels Steinzeichnung eines „Gotischen Friedhofs“ (1810). Die Porträtzeichnung, das Genrebild, der Reisebericht waren Bereiche, die sich der Lithographie rasch erschlossen – künstlerische Höhe erreichten die Bilder vom Stein jedoch erst mit den Arbeiten von Géricault, Goya und Delacroix. Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen:

Baden-Baden Bis zum 26. September, Kunsthalle: „Horst Antes“