Kurz vor Redaktionsschluß erreichte uns die Nachricht vom Tode unseres Freundes und langjährigen Mitarbeiters Ludwig Marcuse. Die Geschichte seines siebenundsiebzigjährigen Lebens zu schreiben, wäre eine lohnende Arbeit: die Geschichte des Theaterkritikers, der Professor in Amerika werden mußte, weil die Nazis sein Leben bedrohten; die Geschichte des amerikanischen Professors, der zurückkehrte in das Land, das ihn vertrieben hatte, und der von keiner deutschen Universität berufen wurde; die rührende Ehe-Geschichte eines scheinbar schnodderigen Egozentrikers; die Geschichte des als Philosoph grausam unterschätzten antimarxistischen Pragmatikers, der die Welt nicht mehr verstand, als sie mit seinem Namen meistens den anderen Marcuse meinte.

In der ZEIT hatte er ein paar Jahre lang so etwas wie ein Asyl in der Heimat gefunden; viele Briefe belegen das. Aber dann erlahmte die Arbeitskraft, ermüdeten die Kontakte. Wir wollen in der nächsten Nummer versuchen zu schildern, wer Ludwig Marcuse war. D. Z.